In Deutschland machen sich zwar mehr Menschen selbstständig. Aber am Bau und in der Industrie geht der Trend zur Existenzgründung nach unten.

Eric Schweitzer schlägt Alarm: „Deutschland steckt in einer Gründungsmisere“, warnt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Denn bei den Kammern ist die Zahl der Beratungsgespräche 2014 zum vierten Mal in Folge auf einen neuen Negativrekord geschrumpft, wie der DIHK am Dienstag in seinem „Gründerreport 2015“ unterstreicht. Die Tageszeitung „Die Welt“ hatte darüber vorab berichtet.

Allerdings beziehen sich die Zahlen des DIHK fast ausschließlich auf gewerbliche Existenzgründer. „Freiberufliche Gründer kommen in aller Regel nicht zu uns“, bestätigt ein DIHK-Sprecher in Berlin.

Deshalb widersprechen die DIHK-Zahlen auf den ersten Blick den Ergebnissen des am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten „KfW-Gründungsmonitors 2015“: Demnach wagten 2014 erneut mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Zahl der Gründungen stieg um etwa 47.000 auf 915.000.

Das ist zwar nach dem absoluten Tiefpunkt 2012, als sich nur 775.000 Gründer selbstständig machten, das zweite Plus in Folge. Von den Rekordzahlen zu Beginn des Jahrtausends ist das Gründungsgeschehen aber weit entfernt. 2001 zählte die KfW noch mehr als 1,5 Millionen Existenzgründer. „Das wird auf absehbare Zeit nicht wieder erreicht“, glaubt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner: „Wir sind insgesamt zu wenig Gründer.“

Und: Treibende Kraft waren im vergangenen Jahr alleine Gründungen in freiberuflichen Branchen, die gegenüber dem Vorjahr um 61.000 auf 368.000 stiegen. Besonders beliebt waren Bereiche wie Unternehmensberatung, Coaching, Kindertagespflege, Webdesign und auch Übersetzungen. „Ein Grund für den Boom von Existenzgründungen in freiberuflichen Tätigkeitsfeldern ist die größer gewordene Nachfrage nach Erziehungs- und Bildungsdienstleistungen, die von Gründern bedient wird“, schreibt KfW-Studienautor Georg Metzger.

Hingegen gab es in den gewerblichen Bereichen ein Minus von 14.000 auf rund 547.000 Gründungen. Und das ist volkswirtschaftlich bedeutend, wie Metzger klarstellt: Denn wer sich im verarbeitenden Gewerbe oder im Bausektor selbstständig macht, plant deutlich häufiger, ein Unternehmen aufzubauen und beschäftigt entsprechend häufiger Mitarbeiter.