Stammtische, Konferenzen, Pitches: Viele Veranstaltungen bieten Gründern Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen – denn Netzwerke sind für Startups immens wichtig. Beim „Gründerpokern“ wird außerdem gezockt. Genau das macht das Event erfolgreich. Im September findet das Startup-Pokerturnier bereits zum achten Mal statt

Genau genommen hatte ich von Anfang an keine Chance, als ich im Mai zum ersten Mal beim Gründerpokern mitgespielt habe. Wer sich – wie ich – an einen Pokertisch setzt und öfter auf den kleinen Merkzettel mit den möglichen Karten-Kombinationen schaut als in die Gesichter seiner Gegner, hat bestenfalls statistische Chancen. Und wer sich – wie ich – erklären lassen muss, warum eine Hand mit Ass und König „Anna Kournikova“ genannt wird, könnte sich auch gleich ein Schild mit der Aufschrift „Laie“ umhängen. Dass ich trotzdem die erste Halbzeit durchgehalten habe, zeigt deswegen vermutlich nur, dass auch beim Pokern auf den Zufall Verlass ist.

Geschlossene Gesellschaft: Beim Gründerpokern sind Jungunternehmer unter sich (Foto: Gründerraum)

Zum Glück geht es beim Gründerpokern weniger um den Erfolg am Tisch, als um neue Kontakte. Und in diesem Punkt konnte ich beim Gründerpokern eigentlich gar nicht verlieren. Selten war ich bei einem Startup-Event, bei dem sich ähnlich viele spontane und interessante Gespräche ergeben hätten. Am Tisch konnte ich Robert Tubis ein paar Chips abnehmen, während er mir erzählte, was sein Startup CoGAP macht. In den Pausen zwischen den Spielrunden hat Christian Häfner mir FastBill vorgestellt. Und nachdem ich vergeblich „all in“ gegangen und kläglich gescheitert war, hat mir Fliplife-Mitgründer Tobias Hartmann ein paar Details zum Verkauf des Unternehmens erzählt.

Kontakte zu anderen Gründern sind für Startups wertvoll: Sie helfen, Partner zu finden, Synergien auszuloten und sich über Investoren und potenzielle Mitarbeiter auszutauschen. Das belegen einige wenige Studien und ungezählte Beispiele. Beim Gamecity Treff in Hamburg etwa liefen sich vor einigen Jahren der Unternehmer Michael Schade und Harald Behnke über den Weg – kurz darauf entwickelten sie zusammen eines der ersten 3-D-Spiele für Mobiltelefone und Schade spezialisierte sich mit Fishlabs vollständig auf 3-D-Spiele. Mit Erfolg – das Unternehmen wuchs von 8 auf 50 Mitarbeiter.

Inzwischen gibt es viele solcher „Networking-Events“ – zu recht. Zu den populärsten gehören die Echtzeit oder die Spätschicht. Auch Universitäten, Gründerzentren, Initiativen und XING-Gruppen veranstalten Treffen, Stammtische, Pitches, Kontaktbörsen und schwören auf die Kraft der Kontakte.

Der Final Table beim Turnier im Mai

Treffen, spielen, reden

Aber nirgendwo wird so gezockt wie beim Gründerpokern. Auf die Idee kamen die beiden Initiatoren und Unternehmer Max Scharpenack und Philipp Mühlbauer, als sie in Las Vegas pokerten. „Wir haben eine Weile gespielt und kannten hinterher jeden am Tisch“, erzählt Scharpenack. „Auf vielen Gründer-Veranstaltungen ist das leider anders: Dort unterhältst du dich oft nur mit Menschen, die du ohnehin schon kennst.“

Zurück in Deutschland luden sie andere Gründer zu einem lockeren Pokerabend ein. „Beim Spielen triffst Du auf Unbekannte und kommunizierst unheimlich viel“, sagt Scharpenack, „und nebenbei erkennst du beim Pokern ob jemand ein guter Bluffer ist und wie gut er sein Blatt verkaufen kann.“

Also machten die beiden das Gründerpokern zum Event. Sie suchten Sponsoren für Preise, organisierten einen Raum und sorgten für Snacks und Getränke. Das war vor zwei Jahren. Inzwischen haben Scharpenack und Mühlbauer Gründer in Köln, Hamburg, München, Karlsruhe und Berlin gegeneinander pokern lassen – darunter bekannte Namen wie Jens Begemann. Einige Gründer sind regelrecht abhängig geworden und reisen dem Pokerturnier durch Deutschland hinterher.

Mitte September findet das Gründerpokern zum achten Mal statt, die Hälfte der 99 Spieler-Tickets und 33 Networking-Tickets war binnen zwei Tagen verkauft. Wer noch eines ergattern will, muss sich bewerben. Und wer eins bekommt, kann sich schon deshalb wie ein Gewinner fühlen. Auch wenn er am Tisch sang- und klanglos untergeht – so wie ich.