Immer mehr Verbraucher bestellen Essen im Netz. Wie vier Start-ups auf ganz eigene Weise versuchen, den Lebensmittelmarkt zu verändern.

Was Phillip von Sahr mit seinem Start-up gemacht hat, nennt die Gründerszene „pivoting“. Auf Deutsch bedeutet das Wort so viel wie „umschwenken“. Mit Dein Biogarten wollte von Sahr ursprünglich Produkte mit biologischem Siegel im Internet zugänglich machen: Wer im Onlineshop bestellte, erhielt eine Box mit frischem Bioobst und -gemüse.
Doch weil nicht alles „Bio“ ist, was ohne Chemie produziert ist und gut schmeckt, kamen dem Gründer irgendwann Zweifel. „Auch viele Bioprodukte sind industriell hergestellt“, sagt von Sahr. „Wir wollten zurück zur handwerklichen Herstellung.“ Deshalb gründete er im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinen Kolleginnen Friederike Tschacksch und Beatrice von Wrede neu – aus Dein Biogarten wurde das Unternehmen Gegessen wird immer.

Wer sind die Köpfe hinter dem Produkt?

Das Berliner Start-up verspricht seinen Kunden Qualität statt Massenware. Die Produkte sollen vom kleinen landwirtschaftlichen Betrieb kommen, nicht vom großen, anonymen Industriekonzern. Das lohnt sich, hoffen die Jungunternehmer zumindest: „Die Nutzer sind wieder bereit, für Qualität Geld auszugeben“, sagt Mitgründerin Tschacksch. „Deshalb fragen sich immer mehr Menschen, was genau sie eigentlich essen, wo es herkommt und wie es produziert wird.“                                

Gegessen wird immer will darauf Antworten liefern. Auf ihrer Webseite stellen die Gründer deshalb nicht nur die Produkte vor, sondern auch die Unternehmen dahinter: die Dorfkäserei aus Baden-Württemberg, das Weingut aus Bayern, die Bäckerei aus Berlin.

Erfolg in sozialen Netzwerken

Bei den Nutzern scheint das Nischenkonzept anzukommen. „Wir wachsen sehr viel schneller als mit Dein Biogarten“, sagt von Sahr. Dort habe man drei Jahre gebraucht, um den Umsatz zu erreichen, den Gegessen wird immer nun schon nach knapp einem Jahr erzielt. 

Das liegt nicht nur an der Vorarbeit von Dein Biogarten. Zwar konnten die Gründer eigener Aussage zufolge alle Firmen- sowie viele Privatkunden mitnehmen. Das neue Konzept kommt aber auch auf den sozialen Netzwerken besser an: Während die Bioprodukte bei Facebook überhaupt nicht liefen, funktioniert das Portal nun als Vertriebskanal: „Wir sind dort doppelt so schnell gewachsen wie Dein Biogarten“, sagt Tschacksch. Auch die ersten Investoren interessieren sich für die Geschäftsidee: Im Januar verkündete das Berliner Unternehmen eine hohe sechsstellige Finanzierungsrunde.