Ohne den Gründer kommt ein Start-up nicht vom Fleck. Doch später kann sich ein wenig Abstand zum operativen Geschäft auszahlen, zeigt eine Studie.

Von null auf 120 Mitarbeitern hatten Katharina Klausberger und Armin Strbac die Shopping-App Shpock gebracht – Anfang des Jahres traten sie dann von ihrem Amt als Geschäftsführer zurück. Als gute Gründer fühlten sie sich durchaus, schrieb Strbac in einem Facebook-Post. Aber: „Dies bedeutet auch die eigene Rolle und die eigene Herangehensweise zu hinterfragen.“ Das operative Geschäft übernahm der langjährige Chief Marketing Officer Bernhard Baumann.

Ein ungewöhnlicher Schritt für viele Start-ups. Zurücktreten aus der ersten Reihe: Das kann in der Öffentlichkeit nach Aufgabe aussehen – und sich für die Gründer nach einer Niederlage anfühlen. Die Wissenschaft zeigt jedoch, dass sich der Schritt lohnen kann. Zu diesem Ergebnis kam Noam Wasserman, aktuell Management-Professor an der University of Southern California in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Je weniger operative Verantwortung ein Gründer nach einigen Jahren in seinem Start-up hatte, desto höher lag die Bewertung des jungen Unternehmens.

Für seine Analyse untersuchte der Wissenschaftler die Daten von über 6000 us-amerikanischen Unternehmen, die im Schnitt knapp sechs Jahre alt waren. Als Variablen für die Kontrolle nahm Wasserman dabei die Frage, ob die Gründer als CEO oder im „Board“ – dem eine deutlich aktivere Rolle als der deutsche Aufsichtsrat zukommt – vertreten ist. Mit jedem zusätzlichen Level an Beteiligung, so errechnete Wasserman, sank die Bewertung des Unternehmens um 17 bis 20 Prozent.

Wissen, was der Gründer will

Die Studie zeige, „dass die Spannungen zwischen dem Anziehen von Ressourcen und dem Beibehalten von Kontrolle erheblich sind“, schreibt Wasserman. Eine ähnliche Korrelation fand der Wissenschaftler für den Zusammenhang von Venture Capital und Beteiligung des Gründers. Mit jedem zusätzlichen Amt senkte sich die Summe des eingesammelten Kapitals um mehr als 35 Prozent ab.

Wichtig jedoch: Statistisch signifikant wurden diese Daten keineswegs direkt vom Start. Erst nach mindestens drei Jahren zeigten sich diese Zusammenhänge – allerdings können frühere Entscheidungen bereits den Kurs vorgeben. Interessant, so das Fazit des Autors, könnten diese Erkenntnisse vor allem für Investoren und angehende Mitarbeiter eines Start-ups sein: Die sollten die langfristige Motivation des Gründers kennen, hinterfragen und auf ihre eigenen Ziele und Wünsche abgleichen.