Start-ups stoßen in der Filmbranche auf Skepsis. Dennoch raffen sich Gründer auf. Drei Beispiele aus Berlin.

Von Jens Twiehaus

„Nenn uns bitte nicht Start-up“, sagt Sönke Kirchhof gleich zu Beginn des Gesprächs. Der Filmproduzent gründet gerade ein Studio für Virtual-Reality-Produktionen – und will mit der Hype- und Next-Big-Thing-Kultur nichts zu tun haben. Sein Unternehmen IN VR, das betont Kirchhof, beruhe auf zehn Jahren Erfahrung seiner Produktionsfirma Reallife. Es ist ihm wichtig – und es scheint wichtig zu sein für den Respekt in der Filmbranche, wo Referenzen und Awards ein bisschen mehr zählen als in anderen Zweigen der Medienindustrie. Schwere Voraussetzungen für Gründer.

„In Berlin machen viele ein Start-up, um ganz schnell ganz reich zu werden“, sagt Kirchhof. „Ich hab den Kanal voll von ‘Ich mach was Hippes mit Medien’.“ Der gebürtige Bremer sympathisiert mit der hanseatischen Kaufleute-Tradition: „Wir gründen, um das Unternehmen noch in 40 Jahren zu haben und damit unsere Kinder ernähren zu können.“

Diese konservative Ausrichtung sei wichtig, um bei großen Filmproduktionen andocken zu können: „Die wollen Referenzen sehen, die wollen etablierte Namen, mit denen sie langfristige Projekte machen.“ Für klassische Start-ups klingt das eher nach schwerfälligem Konzern als nach dem Geschäftsmodell der Zukunft.

Auf dem European Film Market in Berlin hatten sie deshalb ein paar Tische aufgestellt, Pop-up-Büros, in denen Gründer mit den geldschweren Etablierten der Szene ins Gespräch kommen sollten. Mal reden und beschnuppern – und gucken was geht. Kirchhof und seine Kollegen von IN VR knüpften reichlich Kontakte, erzählt er später. Denn alle wollen jetzt was mit Virtual Reality machen, „nur die vom Arthouse-Film sind noch skeptisch“.

Kino-App für Blinde und Gehörlose

Seneit Debese (links) und Andres Schüpbach. (Foto: Jens Twiehaus)

Seneit Debese (links) und Andres Schüpbach.
(Foto: Greta & Starks Apps)

Konkret wurde es für Seneit Debese und Andres Schüpbach: Die beiden Gründer von Greta & Starks Apps erhielten eine Einladung nach Südamerika und Visitenkarten aus Kanada, Brasilien und den USA. Das Berliner Start-up hat viel Sympathie auf seiner Seite – denn Greta & Starks Apps ermöglichen blinden und gehörlosen Menschen den Besuch im Kino. Gründerin Debese machte einst einen Film über eine blinde Läuferin – und die erzählte ihr: Sie könne fast alles, nur Kinobesuche mit sehenden Freunden seien unmöglich.

Aus diesem offensichtlichen Problem heraus konzipierte sie mit dem Schweizer Schüpbach eine App, die Audiodeskriptionen zu Kinofilmen liefert. Greta flüstert, was Blinde nicht sehen können. Und Starks liefert Untertitel aufs Smartphone, sodass Gehörlose auf ihrem eigenen Display den Film mitlesen können. Beide Apps synchronisieren sich mit dem Film durch eine Technologie, die ähnlich wie die Musikerkennungs-App Shazam funktioniere, sagt Schüpbach.