Menschen wie Thomas Jakel vom Berliner Start-up Strandschicht. Dessen Name ist Programm: Strandschicht vermittelt sogenannte Virtuelle Persönliche Assistenten (VPAs) aus Osteuropa, die gegen ein Stundenhonorar ab sieben Euro aufwärts Mails beantworten, Datenbanken pflegen, Informationen recherchieren, Software testen oder Web-Seiten aktualisieren.

Zu den Kunden gehören neben Rechtsanwälten und Ärzten eben jene Nomaden-Unternehmer, die ihre Prozesse automatisieren wollen, „um ungestörter durch die Welt tingeln zu können“, erklärt Jakel, „am Strand zu chillen, mehr Zeit für die Familie haben oder mehr Zeit in andere Bereiche des Geschäfts zu investieren“. Das Geschäftsmodell von Strandschicht funktioniert im doppelten Sinne: Zum einen beschäftigen Jakel und Co-Geschäftsführer Bastian Kröhnert sechs Jahre nach dem Start 35 Vollzeitmitarbeiter, die alle „komplett virtuell“ zusammenarbeiten, wie Jakel sagt.

Selbstverwirklichung neben dem Alltagsjob

Zum anderen ermöglichst es den Unternehmern ein Leben, auf das sie als Angestellte wohl vergeblich gewartet hätten: mit Zeit für Reisen in alle Welt und für gesellschaftliches Engagement. 2012 etwa radelte Jakel per Fahrrad nach Indien, um Spenden für den Bau öffentlicher Toiletten in Indien zu sammeln. Später hat er einen Verein mitgegründet, der dort Tausende ökologischer Toiletten bauen soll. Und er hat mit Kröhnert das Ideacamp aufgebaut, in dessen Workshops Gründer den „Lifestyle erschaffen, den sie sich wünschen“.

Dafür muss man den Hebel von Anstellung zur Selbstständigkeit nicht unbedingt ganz umlegen. Viele Selbstverwirklicher starten parallel zum Job in die Selbstständigkeit, wie der Trierer Entrepreneurship-Forscher und BWL-Professor Jörn Block bestätigt. Er hat beobachtet, dass sogenannte Nebenerwerbsgründer besonders häufig intrinsisch motiviert sind: Die Selbstverwirklichung und der Wunsch nach Unabhängigkeit stehen im Vordergrund, der finanzielle Erfolg ist für sie weniger wichtig als für Haupterwerbsgründer.

Ein solches Doppelleben zwischen eigenem Start-up und festem Job etwa hat sich Meike Haagmans ausgesucht. Seit fast zwölf Jahren reist sie als Flugbegleiterin für die Lufthansa um die Welt, hat 2012 außerdem das Düsseldorfer Unternehmen Joventour gegründet. Das Start-up vermittelt Linienbusreisen durch Südamerika – Rundreisen durch Patagonien etwa oder Touren durch ein Seengebiet im Süden Chiles. Die Marktlücke hatte Haagmans während eines MBA-Studiums in Buenos Aires entdeckt und dann im Alleingang umgesetzt – nur mithilfe von Büchern und VHS-Kursen, Tipps von anderen Gründern und ein paar Tausend Euro vom Sparbuch.