Heute ziehen Gründer auch deshalb Unternehmen auf, weil sie nur so die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit finden.

Seit November touren sie durch Südamerika, haben erst an der brasilianischen Küste Kite-Surfen gelernt, sind dann im Regenwald abgetaucht, anschließend in ein kolumbianisches Fischerdorf weitergereist und haben jüngst die Karibikstrände im Nationalpark Tayrona inspiziert. Wie ein einzigartiger Urlaub klingt das, was Felicia Hargarten und Marcus Meurer gerade erleben. „Traumhaft schön, megagrün, surreal“, kommentiert das Pärchen die Bilder von Urwald, Sand und Meer in Hargartens Reiseblog Travelicia. de, „so lässt’s sich’s leben“.

Und arbeiten. Vom Strand und aus der Hängematte kommunizieren sie mit Kunden aus Deutschland. Füllen via Internet nicht nur ihren Reiseblog, mit dem sie Anzeigenerlöse erzielen, sondern programmieren Webseiten und beraten Kunden in der Heimat zu Fragen rund ums Online-Marketing. Vor allem aber organisieren sie aus der Ferne die Digitale Nomaden Konferenz, kurz DNX, sowie ihren internationalen Ableger, die DNX Global. All das spielt ihnen einen niedrigen sechsstelligen Jahresumsatz ein.

Eine gute Balance aus Arbeit und Freizeit

Die Konferenzen drehen sich um ortsunabhängiges Arbeiten – also genau das, was Hargarten und Meurer zu ihrem Lebensstil erkoren haben, seit sie im Jahr 2012 ihre Stellen als Marketingmanager bei zwei Internet-Unternehmen gekündigt haben – und ihre Wohnungen in Berlin gleich mit. „Wir haben uns lange wie Roboter gefühlt, die den Traum eines anderen verwirklichen“, sagt Meurer, „also haben wir unser eigenes Unternehmen gestartet.“

Ein Unternehmen gründen, um den Traum von einem bestimmten Lebensstil zu verwirklichen: Das ist es, was sogenannte Lifestyle Entrepreneure tun. Für sie steht „eine gute Balance aus Arbeit und Freizeit im Vordergrund“, sagt Anja Hagedorn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship an der HHL Leipzig. „Verbunden mit der bewussten Entscheidung, auf Profitmaximierung zu verzichten.“

Bisher unterscheiden größere Studien wie der Global Entrepreneurship Monitor meist nur zwischen Chancengründern – also solchen, die eine gute Geschäftsidee umsetzen wollen. Und den Notgründern – also jenen, die sich selbstständig machen, weil sie keinen Job finden. Auch im KfWGründungsmonitor liegt darauf der Fokus – „Selbstverwirklichung“ ist unter den „sonstigen Gründen“ aufgelistet. Nur etwa einer von 20 Gründern nennt es als Hauptmotiv und was genau darunter zu verstehen ist, bleibt unklar.