Warum gibt es so wenige Gründerinnen, fragt sich Meike Haagmans, und rät Frauen: Hört endlich auf eure Arbeitskraft als minderwertiger als die des Mannes anzusehen.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, mit dem Thema, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen und mit anderen Kuriositäten der Start-up-Szene.  Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventours und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für Nebenbei-Gründer.

Eigentlich wollte ich diesen Monat über ein ganz anderes Thema schreiben. Über unsere Umfirmung zur GmbH und über meine Zurechtweisung vom Steuerberater.  Aber nun brennt mir etwas Wichtigeres unter den Nägeln.

Ausschlaggebend war ein Telefonat gestern Abend mit meiner Freundin Natascha Hoffner, der Gründerin der Karrieremesse herCAREER, die jedes Jahr Frauen einen Austausch zum Thema Karriere bietet. Vollkommen unabhängig ob im Arbeitgeber- oder Arbeitnehmerverhältnis. Etablierten Firmen genauso wie Start-ups. Seit drei Jahren steckt Natascha ihre ganze Energie in diese Veranstaltung und je länger sie sich mit dem Thema „Frauen und Karriere“ beschäftigt, um so mehr Hürden tun sich auf.

„Macht jeder nur sein Pflichtprogramm und niemand die Kür?“

Diese Frage habe ich mir in dieser Kolumne vor knapp einem Jahr zum Thema „Gründerinnen in Deutschland“ gestellt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Problematik keine wirkliche Fokussierung erlebt.

„Traut das Bankensystem Frauen keine effektive Gründung zu?“

Der Artikel hatte damals nicht nur viele Diskussionen ausgelöst, sondern mir auch einen verständnislosen Anruf von der HVB-Pressesprecherin eingebracht. Sie könne gar nicht nachvollziehen, weshalb ich mich beschwerte, schliesslich fördere die HVB ja mit ihrem Gründerprogramm junge Frauen bei der Firmengründung. Ich hatte mich damals gewundert, dass eine Vielzahl von Banken auf den männlich dominierten Start-up-Kongressen anzutreffen ist, allerdings keine einzige Bank auf einer der drei großen Frauenkarriere-Messen. Meine Gesprächspartnerin erklärte mir, dass die HVB die Promotion des Gründerinnenprogammes über die Social Medien fokussieren würde. Und die Auswahl des Marketingkanals sei ja immer noch jedem freigestellt.

„Traut das deutsche Bankensystem Frauen keine effektive und nachhaltige Gründung zu?“ fragte ich mich also weniger später in der Kolumne und je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, umso mehr merke ich, dass das Problem nicht bei den Banken liegt, sondern mitten in unserer Gesellschaft.

„Eine Karriere wird zwischen 30 und 40 gemacht und da ist die deutsche Frau am Herd“ hat letzte Woche die Start-up-Beraterin Julia Derndinger in meinem Podcast in Bezug auf die geringe Gründerinnen-Quote gesagt. Auch ich selbst muss nicht weit schauen. In meinem engsten sozialen Umfeld finde ich immer wieder die Struktur, die schon meine Eltern und Großeltern gelebt haben. Und wenn frau dann wieder arbeiten geht, dann nicht in Vollzeit.