Schnupperpraktika und Jobeinblicke: Beim Girl’s Day mischten auch Start-ups mit. Insgesamt offenbaren sich aber in der Digitalbranche bei Diversität und Gehalt noch große Lücken.

Das Berliner Chemie-Start-ups DexLex und Kemialytics boten zehn Plätze zum Schnupperpraktikum für Mädchen an – alle ausgebucht. Das Leipziger IT-Start-up Webdata Solutions lud zum Mini-Workshop, um die Zahlen hinter Modetrends zu analyisieren. Und der Domainregistrar GoDaddy ermöglichte in seinem Büro in Hürth Einblicke in die Berufe der Software-Entwicklerin oder Netzwerk-Ingenieurin. Zum gestrigen Girl’s Day hatten sich einige Start-ups und Digitalunternehmen ins Zeug gelegt.

Doch der Weg bis zu einer wirklich ausgeglichenen Besetzung von Teams ist in der Branche noch weit. Der weitaus größte Teil von Start-ups wird etwa immer noch von Männern gegründet – laut den Zahlen des letzten Start-up-Monitors sind gerade einmal knapp 15 Prozent der Personen in Gründerteams weiblich. Insgesamt ist in Start-ups etwa ein Viertel des Teams weiblich, zeigten Zahlen des IT-Verbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr. Vor allem der IT-Sektor ist dabei deutlich männerdominiert.

Wenige IT-Studentinnen, weniger Lohn

Glaubt man anderen Statistiken, ändert sich daran auch nur schleppend etwas: Zwar stieg der Frauenanteil unter Informatik-Studienanfängerinnen zuletzt leicht, dennoch sind sie mit einem Anteil etwa einem Viertel weiter deutlich unterrepräsentiert. „IT gilt noch immer als klassische Männerdomäne, der Grundstein dafür wird schon in jungen Jahren gelegt“, sagt Natalie Barkei, Bildungsexpertin beim IT-Verband Bitkom.

Dazu kommt ein deutlicher Unterschied in der Entlohnung. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der IT-Branche betrage in Deutschland 25 Prozent, argumentiert die Entwickler-Plattform Honeypot.io in einer aktuellen Veröffentlichung, die auf Daten aus OECD-Studien beruht. Damit sei dieser Wert der schlechteste in Westeuropa und etwa doppelt so hoch wie in Belgien und Frankreich, sagt Mitgründerin Emma Tracey: „Dies deutet darauf hin, dass der IT-Sektor in Deutschland in Sachen Gleichberechtigung hinter anderen westlichen Ländern zurückliegt.“

Transparenz ist dabei ein erstes wichtiges Instrument, um solche Gefälle zu vermeiden. GoDaddy legt etwa einmal im Jahr einen Report zu Verteilung von Posten und Gehältern auf. Das zeigt auf, wo es gut läuft – und wo noch Arbeit ansteht: „Wir machen guten Fortschritt im Führungsteam und bei den Einstiegspositionen – aber das mittlere Management bleibt eine Herausforderung“, sagt CEO Scott Wagner im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Besonders anspruchsvoll sei es, so Wagner, junge Mutter beim Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen – großzügige Home-Office-Regelungen und Videokonferenzen sollen da helfen.