Wem der Blick aus dem Fenster nicht mehr reicht, muss keine Not mehr leiden: Es gibt unzählige Start-ups, deren Geschäftsmodell das Wetter ist.

Von Benedikt Wurdack

Als Dienstleister hat sich das Zürcher Start-up „ubique Apps & Technology“ bereits einen Namen gemacht. Das in Kooperation mit der Universität Bern agierende Unternehmen bietet zwar selbst keine Wettervorhersagen an, hat aber bereits Apps für den „Deutschen Wetterdienst“ (DWD) und das schweizerische Bundesamt für Meteorologie gestaltet. Die App „WarnWetter“ für den DWD hat im Google Play Store schon über 500.000 Downloads und eine durchschnittliche Bewertung von 4,6 Sternen erreicht. Hauptfunktion der App ist, den Nutzer über Wetterwarnungen (nach Wunsch auch über Push-Benachrichtigungen) für die ausgewählten Orte zu informieren. Die Wettervorhersage des DWDs ist mit Temperatur, Niederschlagsmenge und Windgeschwindigkeit enthalten. In verschiedenen Karten lassen sich die Informationen grafisch aufbereitet betrachten.

Abgesehen von den nationalen Diensten gibt es auch private Anbieter, die zusätzlich auch ihr eigenes Netz an Wetterstationen aufgebaut haben, um so noch eine zusätzliche Daten zu erfassen. Als europaweit „führender privater Wetterdienst“ in Europa rühmt sich die MeteoGroup, zu der seit 2013 auch Jörg Kachelmanns Wetterdient „Meteomedia“ gehört. Die deutsche Tochtergesellschaft MC-Wetter wurde 1998 in Berlin als Folge eines Joint-Venture gegründet und versorgte zunächst die Wirtschaft mit meteorologischen Anwendungen. 2008 gingen die beiden deutschen Niederlassungen (MC-Wetter und MeteoGraphics) in der neugeschaffenen MeteoGroup Deutschland auf. Die neuste Erweiterung in ihrem Portfolio nennt sich Rain Today und verspricht minutengenaue Regenvorhersage – hilfreich für alle, die einem bewölkten Himmel nicht ansehen können, wann und ob er seine Schleusen öffnen wird.

Die punktgenaue Regenvorhersage scheint sowieso das Lieblingsprojekt der Wetterdienstleister zu sein, auch „WetterOnline“, ein bereits 1996 gegründetes Onlineportal, präsentiert auf der Homepage stolz sein „Regenradar“. Die auch als App mit über einer Millionen Android-Downloads erhältliche Anwendung aufbereitete Radardaten, die dem Nutzer Überblick über das Regengeschehen verschaffen. Das Portal finanziert sich über Werbung und Abonnements, die besagt Werbung verschwinden lassen und einen erweiterten Funktionsumfang bieten. Mittlerweile ist das Unternehmen in den Mittelstand hineingewachsen, hat knapp 70 Mitarbeiter und ist laut eigener Angabe regelmäßig unter den zehn meistbesuchten Internetportalen Deutschlands, monatlich sollen mehr als sechs Mio. Besucher die Webseite nutzen.

Mehr auf Geschäftskunden fokussiert wirkt das österreichische Start-up „Ubitmet“: 2004 in Wien gegründet, war das Start-up zunächst eine Tochtergesellschaft der Meteomedia-Gruppe. Zu den ersten Kunden gehörte die Uniqa-Versicherung, für die Unwetterwarnungen an Kunden herausgegeben wurden. Davon profitierten beide Parteien – vorgewarnte Kunden verursachen geringere Schadenssummen und Ubimet konnte schlagartig eine hohe Reichweite vorweisen. In den Folgejahren erweiterte das Unternehmen seine Reichweite innerhalb Europas, bot vermehrt Zeitungen Wetterdienstleistungen an und wurde mehrfach ausgezeichnet. 2008 ging Ubimet vollständig in den Besitz der Gründer über, 2010 startete wetter.tv, das eigene Onlineportal für Privatkunden im deutschsprachigen Raum. Nach zehn Jahren Unternehmensgeschichte gewann das mittlerweile auch in Australien und Amerika niedergelassene Start-up 2014 die FIA für sich und ist fortan Wetterdienstleister bei der Formel 1.

Doch was macht eine gute Wettervorhersage aus? Die Präsentation, der Funktionsumfang oder der Preis, zu dem sie verfügbar ist? Natürlich kommt es zunächst einmal natürlich auf die Korrektheit der Daten an. Denn ohne verlässliche Daten ist dem Verbraucher wenig gedient. Problematisch daran: Die Daten des amerikanischen „Global Weather Forecast“ (GFS) stehen kostenlos zur Verfügung. Logisch natürlich, dass viele Anbieter auf diese und nicht auf die kostenpflichtigen des „Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage“ (EZMW) zurückgreifen. Der Haken daran ist nur, dass die amerikanischen Daten sich in der Vergangenheit bereits mehrmals als unzuverlässig erwiesen haben. Ein Extrembeispiel aus der Vergangenheit ist der Wirbelsturm „Sandy“, der laut amerikanischen Prognosen das Festland nie erreichen sollte. Einzig aus Europa gab es damals die Warnung für die amerikanische Ostküste. Auch mit dem Abdrehen des Sturms „Joaquin“ hatte wieder mal nur die EZMW gerechnet. Für den Wetterexperten Mojib Latif ist das europäische Modell das „momentan besteWettermodell der Welt“ und auch Cliff Mass, Experte an der „University of Washington“ erkannte die europäische Überlegenheit klar an.

Vielleicht sollte sich der Verbraucher auch einfach eine gesunde Skepsis gegenüber langfristigen Prognosen behalten. Die komplexen Vorgänge, die für das Wetter verantwortlich sind, können nur durch Modelle angenähert werden. Je länger also die Voraussage in die Zukunft schauen will, umso größer wird die mögliche Abweichung. Die 14-Tage-Wettervorhersagen sind ohnehin nur errechnete Trends.