Mit B. Braun und Roche haben zwei Branchenriesen gerade neue Acceleratoren für Start-ups mit Fokus auf digitale Gesundheitslösungen auf den Weg gebracht.

Vitaldaten per App überwachen, Diagnosen mit künstlicher Intelligenz verbessern – digitale Innovationen für das Gesundheitswesen sind auf dem Vormarsch. Zwei Branchenschwergewichte umwerben Gründer nun mit neuen Accelerator-Programmen in Deutschland: Das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun Melsungen hat gerade vier Start-ups für sein neues Förderprogramm ausgewählt, ein vom Pharmariesen Roche initiierter Accelerator startete in der vergangenen Woche mit fünf Start-ups.

Nach der Ankündigung im November hat B. Braun nach eigenen Angaben 172 Bewerbungen aus 40 Ländern erhalten. Das Unternehmen will die ausgewählten Start-ups sechs Monate lang mit einem Mentorenprogramm und finanziell unterstützen. Vorgesehen sind dabei Stationen in Berlin, Melsungen und Tuttlingen. Das Ziel des Unternehmens: „Durch die Zusammenarbeit mit den Start-ups bekommen wir Einblicke in zukünftige Trends und erhalten Zugang zu externen Innovationen, neuen Geschäftsfeldern und Methoden”, sagt B. Braun-Manager Alexander Katzung.

Unter den geförderten Start-ups sind zwei mit Wurzeln in Berlin: Boca Health hat ein System entwickelt, das es beispielsweise Dialysepatienten ermöglicht, ihren Körperwasseranteil per Smartphone zu überwachen. Das von einem Kardiologen der Berlin Charité gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Mailand hatte im November den Innovators‘ Pitch der Bitkom-Iniative „Get Started“ in der Kategorie Digital Health gewonnen. Ausgewählt wurde außerdem Recare. Das Berliner Start-up nutzt künstliche Intelligenz, um aus der Klinik entlassenen Patienten passende Anbieter für die Nachversorgung zu vermitteln.

Perspektivwechsel für beide Seiten

Als Pilotphase möchte Roche die erste Runde des in München gestarteten „Digital Health Accerator“ verstanden wissen. Die teilnehmenden Start-ups bekommen dort Sachleistungen im Wert von 50.000 Euro, können Räume des Inkubators Werk1 nutzen und erhalten Unterstützung von Mentoren. Beteiligt ist auch der im Silicon Valley gegründete Accelerator Plug and Play. „Der direkte Austausch mit den innovativen Start-ups ermöglicht beiden Seiten einen Perspektivenwechsel, von dem wir uns neue Impulse versprechen – unter anderem für die zunehmende Personalisierung von Medikamenten und Diagnostika“, so Roche-Projektleiter Jochen Hurlebaus.

Mit Inveox ist ein Start-up aus Deutschland dabei. Das in Garching bei München ansässige Unternehmen bietet eine Lösung an, mit denen Labore Gewebeproben effizienter und pannenfrei untersuchen können. Dazu gehören neuartige Probengefäße und eine Automatisierungsplattform samt Web-App. Inveox gehörte 2016 zu den Finalisten des WirtschaftsWoche-Gründerpreis Neumacher und hatte im vergangenen Jahr eine Million Euro von Business Angels erhalten. Aus Österreich kommt Medicus.ai – eine App zur Auswertung von Labor- und Gesundheitsdaten.