Dabei könnten Anfänger schnell feststellen, ob sich ihre Idee überhaupt in ein Produkt verwandeln lässt. Manch ein Gründer realisiere währenddessen auch, dass er in Wahrheit gar kein Unternehmen aufbauen, sondern seine Idee lieber in seiner Freizeit voranbringen oder für das Gemeinwohl zur Verfügung stellen sollte. „Wer bloß kreativ arbeiten will und sich nicht für Zahlen oder Märkte interessiert, der sollte die Finger vom Unternehmerdasein lassen“, sagt Nagel.

„Oder er muss sein Team um Personen erweitern, die ihm weiterhelfen können.“ Die Insektenfans Timo Bäcker und Christoph Zeppenfeld holten sich die befreundete Ernährungswissenschaftlerin Daniela Falkner dazu. Sie kennt sich in der Lebensmittelindustrie aus. Zeppenfeld wiederum ist Diplom-Kaufmann und promovierter Volkswirt, Bäcker hat als Diplom-Designer vier Jahre lang in Kreativagenturen gearbeitet. Die Arbeit am Businessplan zeigte dem Trio, wie gut diese Kombination passt.

Der Unternehmensberater Stefan Erberich hält Businesspläne ebenfalls für eine hilfreiche Unterlage für Gründer. „Der Businessplan ist vielleicht weniger glamourös, als es viele Gründer gerne hätten“, sagt Erberich. „Aber man setzt sich mit realen Fragen auseinander.“

Erberich, der Gründer berät, stört sich an einer gewissen Verblendung in der Szene: Häufig werde den Jungunternehmern suggeriert, sie könnten mit allem, was sie produzierten, Geld verdienen – und würden dafür definitiv Risikokapital bekommen. Die Swarm-Protein-Gründer merkten schnell, dass sie viel Zeit und Hirnschmalz in die Geschäftsplanung investieren müssten. Auch weil die Ernährungsindustrie behäbiger tickt. „Wir müssen hohe gesetzliche Auflagen einhalten“, sagt Becker.

Inhalte zusammenfassen

Starre Vorgaben gelten auch für einen Businessplan. Doch das schadete dem Trio nicht: „Sie haben unsere Kreativität eher angeregt“, sagt Becker. Fünf Monate lang feilten sie an ihrem Plan, nebenher knüpften sie weitere Kontakte zu Kooperationspartnern. Die Rückmeldungen hätten sie zum Durchhalten motiviert.

Aber wie sieht der perfekte Businessplan denn nun aus? Earlybird-Partner Nagel rät, zunächst die Fragenkataloge aus online auffindbaren Schemata abzuarbeiten, bloß nichts wegzulassen oder oberflächlich zu beantworten. Egal, ob bei der Bank im Dorf oder beim internationalen Risikokapitalgeber – längst hat sich eine Erwartungshaltung gebildet, die Gründer erfüllen sollten. In den vergangenen Jahren hat sich neben dem Businessplan das Pitch-Deck etabliert. Dort fassen Gründer die wichtigsten Inhalte auf wenigen Folien zusammen.

Die Swarm-Protein-Gründer haben ihren Plan heute ständig im Hinterkopf, wenn sie ihre Idee weiterentwickeln. Momentan arbeiten sie mit einem Forschungsinstitut an einem Verfahren, das die Puppen des Seidenspinners zu einem proteinreichen Trockenpulver verarbeiten soll. In China haben sie schon einen Produzenten aufgetan, der sie damit versorgen will, bald werden sie auch im Unternehmensregister gelistet sein. Anfang 2017 könnten die ersten Insekten-Fitnessriegel in den Handel kommen. Im Optimalfall mit frischem Geld von Kapitalgebern, die der Businessplan überzeugte.