Will ein Start-up Geld haben, braucht es einen Businessplan. Der ist mehr als eine lästige Pflicht.

Von Kristina Wollseifen

Frittierte Larven, Grillen, Hornissenlarven – Timo Bäcker und Christopher Zeppenfeld mussten sich an die kulinarische Vielfalt in Asien gewöhnen. Doch dann wurde dem Duo während ihrer Reisen durch Thailand und Vietnam klar: Den Proteingehalt sollten viel mehr Menschen ‧nutzen. So entstand eine Geschäftsidee: Fitnessriegel auf Basis von Insekteneiweiß.

Doch in Deutschland nahm sie zunächst niemand ernst. „Nur ein bunter Vogel zu sein reicht allein nicht aus, um das Vertrauen konventioneller Unternehmer und Investoren zu gewinnen“, sagt Bäcker. Deshalb übertrugen die beiden ihre außergewöhnliche Geschäftsidee in das konservativste Dokument der hippen Gründerszene – einen Businessplan. Auf 35 Seiten setzten sie sich mit Zielgruppe und Vertriebsmodell auseinander, stellten einen Finanzierungsplan auf, analysierten Risiken und unterfütterten ihre Vision mit wissenschaftlichen Studien.

Seriöser Eindruck

Als Inspiration diente eine Publikation der Agrarabteilung der Vereinten Nationen. Sie bewarb die Insekten als Nahrungsmittel für die wachsende Weltbevölkerung. „Seitdem wissen wir genau, wie unser Unternehmen funktionieren soll“, sagt Zeppenfeld. Mittlerweile hat ihre Idee auch einen Namen: „Swarm Protein“ steht auf dem Titel des Businessplans, der schon bei mehreren Bankern und Unternehmern auf dem Tisch lag.

So konservativ und dröge der Businessplan anmutet – Gründer kommen daran kaum vorbei, wenn sie Investoren oder Kreditgeber überzeugen wollen. Das gilt vor allem für Start-ups mit ungewöhnlichen Ideen. Je absurder die Vision, desto konservativer sollten Gründer sie verpacken.

Der Plan kann dabei helfen, exotische Geschäftsideen in ein ernst zu nehmendes Geschäftsmodell zu verwandeln. Das fiel den Swarm-Protein-Gründern schwer: „Wir haben oft gedacht, dass wir die Zeit fürs Schreiben besser nutzen sollten, um Geschäftspartner zu finden“, sagt Bäcker. Bei Gesprächen mit anderen Gründern merkten die Kölner, dass diese Arbeit auch bei anderen verpönt ist. Wenn so viele auf den Businessplan verzichten – warum brauchten ausgerechnet sie einen?

Lackmustest für das Geschäftsmodell

Christian Nagel ist Partner und Mitbegründer von Earlybird, einem der erfolgreichsten deutschen Risikokapitalgeber für junge Unternehmen. Er rät jedem Gründer, einen Businessplan zu erstellen, um Kapitalgebern seine Idee vorstellen zu können.

Produkt- und Geschäftsbeschreibung, Markteinschätzung, Vertriebsmodell, Chancen- und Risikoanalyse und die Finanzplanung – mit diesen Aspekten müssen sich Gründer ohnehin auseinandersetzen. Da kann ein schriftlich ausformulierter Businessplan nicht schaden, im Gegenteil. Denn er zwingt dazu, sich auch mit unangenehmen Themen zu befassen: „Einen Businessplan schreiben Gründer nicht für Investoren, sondern in erster Linie für sich selbst“, sagt Nagel.