Die Berliner Wagniskapitalgeber planen einen Marktplatz für Start-up-Anteile. Über Genussscheine sollen zudem auch Privatanleger künftig investieren.

Einer der aktivsten deutschen Wagniskapitalgeber will sein Geschäftsmodell erweitern: Die German Startups Group hat in einer Mitteilung an die eigenen Investoren angekündigt, zwei neue Geschäftsfelder ins Visier nehmen zu wollen. Diese sollen neben das bisherige Beteiligungsmodell treten und für neue Einnahmen sorgen. Eine entsprechende Änderung des Gesellschaftszwecks will Geschäftsführer Christoph Gerlinger den Aktionären des börsennotierten Unternehmens auf der Hauptversammlung Anfang Juni vorschlagen.

Geplant ist demnach, nach dem US-Vorbild SharesPost einen Marktplatz für nicht börsennotierte Anteile von Start-ups aufzubauen. Die German Startups Group erhalte vielzählige Kaufangebote für solche Anteile, könne aber nur einen Bruchteil der Möglichkeiten wahrnehmen, heißt in dem Schreiben. Mit einer Marktplattform für den sogenannten Sekundärmarkt ließen sich zum einen Vermittlungsgebühren einnehmen. Zum anderen könnten so weitere Investoren für die Start-ups angelockt worden, in die die Berliner Beteiligungsgesellschaft selbst investiert hat.

Daneben beabsichtigt die German Startups Group, künftig sogenannte Genussscheine von Portfoliounternehmen auszugeben. Damit sollen Investoren am Wertzuwachs der Start-ups beteiligt werden. Genussscheine unterscheiden sich von Aktien oder Anleihen: Investoren erhalten kein Mitspracherecht. Mit der Anlageform will sich die GSG vorrangig an Privatanleger wenden. „Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass viele Privatinvestoren Interesse an direkten Beteiligungen an Portfoliounternehmen der Gesellschaft haben, die aber für sie nicht zugänglich sind“, heißt es in der Mitteilung.

Aktie hat deutlich an Wert verloren

Die Genussscheine sollen auch dazu dienen, eigene Anteile an den Start-ups zu erhöhen. Derzeit halten die Berliner Wagniskapitalgeber kleine Minderheitsbeteiligungen von wenigen Prozent an 43 Unternehmen. Der Anteil beim bekannten Essenslieferdienst Delivery Hero, an dem auch Rocket Internet beteiligt ist, liegt sogar nur bei 0,06 Prozent. Weitere bekannte Start-ups im Portfolio sind beispielsweise der Online-Optiker Mister Spex, der Putzkraft-Vermittler Book-a-Tiger und der Musikstreamingdienst Soundcloud.

Die aktuellen Pläne sind abhängig von der Zustimmung der Aktionäre. Die hatten zuletzt relativ wenig Freude an ihrer Investition. Seit dem Börsengang, der erst beim zweiten Anlauf im November 2015 geglückt ist, haben die Aktien rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar musste die German Startups Group gleich vier Gewinnwarnungen hintereinander ausgeben. Einer der Gründe war die Pleite des Online-Auktionshaus Auctionata.

Geschäftsführer Gerlinger spricht von einer „einmaligen Häufung von Gewinnwarnungen“, der unzählige, auch jüngere Gewinnmeldungen gegenüber stehen. Er weist darauf hin, dass die German Startups Group bis auf 2016 in allen Jahren seit ihrer Gründung profitabel war. Wachsen will das Unternehmen außer mit den neuen Geschäftsfeldern auch über Partnerschaften. Man sei offen für „Kooperations-, Fusions- und Übernahmegespräche“, sagte Gerlinger Anfang April.