Wer sich selbstständig macht oder ein Unternehmen gründet, muss auch Risiken eingehen können. Deutschen ist das oft nicht geheuer. Doch woher kommt die German Angst?

Neuer Bericht, gleiches Ergebnis: Auch beim neusten Global Entrepreneurship Monitor (GEM) zeigt sich die Gründungsträgheit der Deutschen. Gerade mal 5,3 Prozent der Bürger im Alter von 18 bis 64 Jahren haben in den vergangenen drei Jahren ein Unternehmen gegründet oder sind gerade dabei, eines zu gründen. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit Platz 66 von 70 Ländern.

Worin aber liegen die geringen Gründungsraten begründet? Warum hat Deutschland keine Gründerkultur? Deutsche sind Sicherheitsfanatiker, lautet eine Erklärung von Experten. Sozialstaat, Versicherungen, Festanstellung: Risiken vermeiden, wo es nur geht. Je sicherer, desto besser. Das scheint eines unserer Leitbilder zu sein. Reformstau und wenige Existenzgründungen sind zwei der negativen Folgen für die Gesamtwirtschaft.

Beim GEM gab jeder zweite der gut 4.000 Befragten aus Deutschland an, dass er oder sie aus Angst vor dem Scheitern eine Gründung unterlassen würde. Auch beim Amway Global Entrepreneurship Report 2013 sagten 79 Prozent der befragten Deutschen, dass die Angst vorm Scheitern – vor allem vor finanziellen Schäden – ein Hindernis dabei sei, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Geringes Risiko hingegen zählte für jeden dritten Deutschen zu den Top-Drei-Faktoren, die Unternehmertum begünstigen. Im internationalen Durschnitt stufte nur jeder Vierte geringes Risiko als besonders wichtig ein.

Keine Selbständigkeit ohne Risiko

„Risikobereitschaft ist eine wichtige Persönlichkeitseigenschaft, die Gründer von Nichtgründern unterscheidet“, sagt Alexander Kritikos, Forschungsdirektor für Entrepreneurship beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er hat mit Kollegen den Zusammenhang zwischen Risikoeinstellung und Gründungstätigkeit anhand des Sozioökonomischen Panels (SOEP), einer jährlichen Befragung von etwa 12.000 Haushalten in Deutschland, untersucht. „Was wir beobachten, ist eindeutig“, berichtet Kritikos: Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, habe einen sehr starken Einfluss auf die Gründungstätigkeit.

Für Selbstständige und Unternehmensgründer ist vieles schließlich wesentlich weniger vorhersagbar als für Angestellte oder gar Beamte. Werde ich genug Einkommen haben und meine Kredite zurückzahlen können? Wie wird der Markt auf mein Produkt oder meine Dienstleistung reagieren? Wie werden sich die Kosten entwickeln? Sind meine Mitarbeiter zuverlässig? Selbstständigkeit ohne Risiko geht nicht, meint Kritikos.