Der staatliche geförderte Accelerator nominiert 14 weitere Start-ups für den US-Aufenthalt. Alumni des Programms teilen ihre Lehren mit den jungen Unternehmern.

Natürlich ist es Arbeit, jede Menge sogar, betont Madjid Salimi. Doch der Gründer von Amboss, einer digitalen Lehrplattform für Mediziner, weiß aus eigener Erfahrung: Wer mit dem staatlichen geförderten Programm German Accelerator für drei Monate in die USA geht, sollte die meisten Alltags-Aufgaben in der Heimat zurücklassen.

„Geht dahin, als ob ihr in die Ferien geht“, riet Salimi gestern Gründern bei einer Veranstaltung des Accelerators in Köln. „Vor Ort werdet ihr in einen Tsunami von Herausforderungen geraten, übergebt also möglichst viel an die Kollegen, die in Deutschland bleiben“. 14 Teams werden besonders genau zugehört haben: Sie wurden gestern Abend in das Programm aufgenommen und werden ab Januar drei Monate in New York oder im Silicon Valley arbeiten können. Durch Bürofläche und das Netzwerk des Accelerators sollen sie so Fuß in den USA fassen können.

Für das Amboss-Team hat es funktioniert: Nach dem Aufenthalt arbeiteten sie an einer englischsprachigen Version ihrer Plattform und sind jetzt seit einem Jahr auch auf dem US-Markt vertreten. 15 Mitarbeiter hat das Team in New York mittlerweile, berichtet Salimi. „Es ist ein Geschenk, in den USA wachsen zu können – aber ihr müsst auf einem stabilen Geschäft in Deutschland aufbauen können.“

Durch das Programm wurden in den vergangenen sieben Jahren einige Start-ups geschleust, die danach von sich reden machten. Stolz ist man im Betreuungs-Team etwa auf das relativ frisch gekürte Einhorn Celonis, das mittlerweile große Umsatz-Hoffnungen auf den US-Markt legt. Auch die Digitalbank N26 gehört zu den Alumni. Daneben schaffen es aber auch immer wieder jüngere Teams in das Programm – die dann häufig vor den Herausforderungen der Aufgabenteilung stehen, wie Salimi sie erlebte.

Die Taktfrequenz des Programms ist dabei hoch: Mehr als 170 Alumni zählt die sieben Jahre alte Einrichtung bereits. Die aktuelle Herbst-Klasse des Accelerators ist relativ frisch in ihren US-Aufenthalt im Silicon Valley oder in New York gestartet, erst in der vergangenen Woche wurden zudem die ersten Teilnehmer des Südasien-Programms benannt – seit diesem Jahr sollen deutsche Start-ups vom Standort Singapur aus auch die asiatische Digitalwelt erobern.

Die Initiatoren des German Accelerators, der vom Bundeswirtschaftsministerium maßgeblich gefördert wird, wollen unter den Start-ups auch ein enges Netzwerk knüpfen. Bei der Abendveranstaltung gestern gab es da auch ganz praktische Tipps und Anekdoten.

Johannes Emigholz, Gründer des Software-Start-ups Silexica, berichtete etwa über die raschen Meetings, die sich an der US-Westküste ergaben: „Hier wartet man drei oder sechs Monate auf einen Termin mit Unternehmen“, berichtet Emigholz, „im Silicon Valley spielte der Nachbar eines Kollegen Golf mit dem CTO von Intel – und am nächsten Tag hatten wir einen Pitch bei Starbucks.“

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Acomodeo: Die Plattform, die von Frankfurt aus betrieben wird, vermittelt völlmobilierte Apartments für Menschen, die geschäftlich oder für ein Studium länger an einen neuen Ort ziehen. Nach eigenen Angaben sind bereits Wohnungen in 120 Ländern registriert. Jetzt will Acomodeo insbesondere in den USA die Nachfrage nach Buchungen ankurbeln.

Aklamio: Über die Plattform können Nutzer ihre Freunde auf Produkte aufmerksam machen – so baut Aklamio die Lösung für Empfehlungsmarketing auf und aus. „Nun wollen wir den Erfolg in Europa auch in den USA wiederholen“, lässt sich das Gründerteam zitieren.

Cognigy: Das Start-up stellt die Mittel bereit, damit Firmen schlaue Chatbots bauen können. Dahinter steckt viel künstliche Intelligenz, um über simple Ja/Nein-Fragebäume hinauszugehen. Pläne für die US-Expansion hatte das Team auch schon unabhängig vom German Accelerator angekündigt.

CQSE: Gegründet als Spin-Off der Technischen Universität München, kümmert sich das Start-up mit dem zentralen Produkt um eine Kontrolle von neu geschriebener Software in anderen Unternehmen. Mit einer US-Tochtergesellschaft sollen nun auch dortige Firmen erreicht werden.

DC Square: Das bayerische Start-up arbeitet im Bereich der vernetzten Industrie. Das Team arbeitet rund um das Softwareprotokoll MQTT, mit dem Maschinen miteinander kommunizieren können. Damit ist DC Square bereits seit 2012 unterwegs – jetzt soll der Sprung in die USA gelingen.

Fino: Das Fintech bietet eine Reihe von Dienstleistungen rund um die Finanzen von Verbrauchern an – von der Kontoanalyse bis zu Baufinanzierung. Bis 2020, so das ehrgeizige Ziel, will man auch in den USA auf möglichst vielen Smartphones vertreten sein.

Humanitec: Schneller zur Software: Das Berliner Start-up entstand 2014 und baut eine Plattform, mit der Unternehmen unkompliziert Programmcode und Anwendungen entwickeln können sollen.

IDnow: Das Start-up will mit einem Videoident-Verfahren das Eröffnen von Konten erleichtern. Um die Technologie gab es da zuletzt immer wieder juristisches Hickhack mit Konkurrenten. Doch auch mit einer neuen Partnerschaft kehrte zuletzt wieder Ruhe ein.

InfluencerDB: Über die Seite sollen Werbetreibende und Influencer mit großer Anhängerschaft in den sozialen Medien vernetzt werden. Als wichtigste Marketing-Tech-Markt sei ein Sprung in die USA „unverzichtbar“, heißt es vom Start-up.

Intrapore: Sauberes Wasser statt Software: Das Umwelt-Start-up aus dem Ruhrgebiet identifiziert verschmutztes Wasser und säubert die Quellen mit einem selbst entwickelten Verfahren. Jenseits des Atlantiks sehen die Essener einen großen Markt für ihre Lösung.

Medici Living: Als „professioneller WG-Anbieter“ positioniert sich das Berliner Unternehmen. Das Immobilien-Start-up betreibt und vermietet möblierte Zimmer an vielen Orten auf der Welt.

Mimi: Eine App für den perfekten Ton: Das Start-up entwickelt digitale Hörtests auf dem Smartphone und will das Abspielen von Musik und Geräuschen dann den Ergebnissen individuell angleichen. In den USA will man sich auf die Suche nach möglichen Lizenzpartnern machen.

Usercentrics: Als „Consent Management Platform“ tritt das Start-up auf. Es will Unternehmen helfen, die Zustimmungen ihrer Kunden rechtssicher zu verwalten. Dabei setzen die Münchener vor allem auf den gesetzlichen Druck, der durch die Datenschutz-Grundverordnung entstanden ist.

Yfood: Das deutsch-österreichische Start-up vertreibt einen Drink, der komplette Mahlzeiten ersetzen soll. Der Appetit auf den deutlich größeren Verbrauchermarkt USA ist daher bei den Gründern groß.