Weltweit senden Menschen kleine Geldbeträge an ihre Freunde. Hierzulande kämpfen Start-ups und Paypal hingegen um wenige Nutzer. Am Ende könnten alle verlieren.

Joschka Friedag spielt mit seinem Start-up die Datenschutz-Karte. Seit knapp einem halben Jahr lässt sich mit der App Cringle Geld an Freunde oder Familienmitglieder schicken. „Für die deutschen Nutzer spielt der Datenschutz bei Bezahldiensten eine große Rolle“, sagt Friedag. So liegen etwa alle Nutzer-Daten auf europäischen Servern. Mit diesem Thema will sich der Cringle-Gründer vom mächtigen Konkurrenten Paypal abheben. Der US-Bezahldienst bietet einen ähnlichen Service – das sogenannte Peer-to-Peer-Payment – ebenfalls an.

Es ist ein ungleicher Kampf: Auf der einen Seite stehen unzählige Start-ups wie Cringle, Avuba oder Lendstar. Auf der anderen Seite das milliardenschwere Paypal. Beide versuchen mit ihrer Dienstleistung, einen schwierigen Markt zu erobern. „Die Deutschen sind bargeldverliebt“, sagt Maik Klotz, Experte und Autor zum Thema Mobile Payment. Rund 80 Prozent der Transaktionen tätigen sie mit Bargeld – seit vielen Jahren. So stellt sich für die Anbieter von Peer-to-Peer-Payment die Frage: Wollen die deutschen Verbraucher einen solchen Service überhaupt?

Kein deutsches Venmo in Sicht

Eine Zahl, die deutsche Fintech-Unternehmen besonders neidisch ins Ausland blicken lässt: eine Milliarde. So viele Transaktionen gab es zum chinesischen Neujahr. Anstatt das Geld wie sonst in roten Umschlägen zum Festtag zu verschenken, schickten die Chinesen das Geld über den Messenger-Dienst WeChat in digitalen Umschlägen. Auch in den USA ist es nichts besonderes, das Geld nach dem Essengehen zu teilen, und mit dem Dienst Venmo zu verschicken. Wie das Googlen ist Venmo im Sprachgebrauch angekommen. „Can you venmo me some money“, heißt es da schonmal. Mittlerweile hat Paypal das Start-up übernommen. Doch auch die europäischen Nachbarn in Großbritannien, Dänemark, Schweden haben gezeigt, dass Millionen Menschen gerne, kleinere Geldbeträge per Smartphone verschicken.

Wie viele deutsche Nutzer die Payment-Dienste verwenden, weiß dagegen niemand. Der große Player Paypal will sich nicht in die Karten schauen lassen. Zudem ist das Angebot der Dienste unübersichtlich: Ungefähr zehn Start-ups bieten den Service in Deutschland an. Zumindest die Zahlen von Cringle zeigen, es geht gerade erst los: Nach drei Monaten verzeichnete der Dienst 5000 Nutzer, durchschnittlich 14 Euro wurden verschickt.

Zu den fehlenden Nutzern kommt das Problem des Geldverdienens. Anbieter wie Paymy und Payfriendz haben bereits aufgegeben. „Ich bin skeptisch, dass so viele Start-ups überleben, weil oft die Geschäftsmodelle nicht klar sind“, sagt Dirk Elsner, Unternehmensberater und Wirtschaftsblogger. Das Start-up Number26 wolle beispielsweise auch durch die Einlagen Geld verdienen. „Aber das wird schwer bei Zinsen, die gegen null gehen“, sagt Elsner. Das Start-up Cringle versucht sich dagegen über Gebühren zu finanzieren, zehn Cent fallen pro Transaktion an. „Wir wollen den Nutzern zeigen, das ist unser transparentes Geschäftsmodell und wir verkaufen dafür eure Daten nicht“, sagt Friedag.