Andere Länder locken deutsche Computerspielefirmen mit Steuergeschenken. Die deutsche Spieleindustrie wünscht daher auch hierzulande mehr Unterstützung.

Die jungen Kölner Spieleentwickler von The Good Evil haben schon  zahlreiche Preise eingeheimst und auch von finanzieller  Förderung profitiert: Nominierung für den Deutschen Computerspielpreis 2015, Prototypenförderung der Film- und Medienstiftung NRW, Auszeichnung als „Kultur- und Kreativpilot Deutschlands 2013“. Mehr könnte es aber dennoch sein, sagt Gründerin Linda Kruse: „Es ist schon viel, was einem hilft, die Firma in Gang zu bringen. Aber nicht genug, um fertige Spiele herzustellen.“

Mit dem Wunsch ist sie bei weitem nicht alleine. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) will die Gamescom, die aktuell in Köln läuft, nutzen, um für ein Herzensthema zu trommeln: Mehr finanzielle Unterstützung für die deutschen Entwicklerstudios – um international mit der Konkurrenz mithalten zu können. Die zahlreichen deutschen Gaming-Start-ups, die sich häufig auf Gemeinschaftsständen auf der Computerspielmesse präsentieren, sehen die Initiative mit Wohlwollen.

Kritisch wird es für viele in der Finanzierung, wenn es um die tatsächliche Produktion geht. Auf Länderebene laufen zahlreiche Programme, die fünf- oder auch mal sechsstellige Summen zuschießen können, um einen Spiele-Prototypen aufzubauen. „Wenn es ein sehr gutes Spiel ist, klappt die Förderung zu Beginn schon ganz gut“, berichtet auch Johannes Roth, Gründer des Münchener Studios Mimimi Productions mit 15 Mitarbeitern. Dann aber wird es knapp: Selbst in Mischkalkulationen mit Geld von Spielepublishern klafft häufig eine Lücke – und kaum eine Bank wolle das Risiko tragen, berichten Entwickler. Eine zusätzliche Förderung auf Bundesebene – durch Zuschüsse oder Steuererleichterungen – könnte helfen. Und, so die Idee des BIU, die Zukunftsbranche in Deutschland richtig durchstarten lassen.

30 Prozent Kostenvorteil in anderen Ländern

Verschärft wird das Problem aktuell nämlich dadurch, dass die Spiele fast immer Exportware sind – um finanziell erfolgreich zu sein, ist der weltweite Vertrieb unabdingbar. Und in der Gaming-Branche gilt insbesondere in der Förderung: Andere Länder, andere Sitten. In Frankreich können Betriebsausgaben einfacher auf die Steuerschuld angerechnet werden, in Großbritannien ist es ähnlich, in Kanada können Spieleentwickler kräftig bei der Lohnsteuer sparen. Auf der Gamescom ist eine halbe Halle gefüllt mit den Werbeständen verschiedener Länder – von Italien über die Türkei bis zu China – die mit erfolgreichen Start-ups und attraktiven Bedingungen werben. 20 bis 30 Prozent Kostenvorteil hätten Entwickler in anderen Ländern, schätzt Maximilian Schenk, Geschäftsführer des BIU: „Das kann man nicht mehr mit deutschem Fleiß und deutscher Effizienz aufholen.“