Offiziell startet die Gamescom erst am Donnerstag, aber schon heute war mächtig viel los. Die Messe zieht nicht nur Gamer an, sondern auch junge Gründer.

Noch ist es ruhig auf dem Kölner Messegelände, der große Ansturm wird erst morgen erwartet: Trotzdem kommt Youtuber Denis Hartwig kaum von der Stelle. Wieder und wieder muss er für ein Foto mit Fachbesuchern posieren, obwohl er doch eigentlich für Gamescom-TV moderieren sollte. Der Videokünstler gehört zum Team PietSmiet, dessen Youtubekanal über 1,9 Millionen Abonnenten hat und dort in erster Linie Let’s Play Videos produziert. Das sind Videos, in denen Menschen Computerspiele spielen und diese kommentieren. „Das Spiele-Lineup ist für mich dieses Jahr noch besser als im Jahr zuvor“, sagt „Hardi“, so der Künstlername von Hartwig, gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Das Testen neuer Videospiele ist immer eines der Messehighlights. Schon jetzt bilden sich vor den Neuheiten wie Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain, Fallout 4 oder Call of Duty: Black Ops III die ersten Schlangen. Die Schilder an den Warteschlangen „ab hier vier Stunden Wartezeit“ werden spätestens morgen gebraucht. Allein im vergangenen Jahr kamen mehr als 335.000 Besucher.

Neben den bekannten Spielen, hinter denen als Publisher vertraute Namen wie Nintendo, Activision Blizzard oder Ubisoft stecken, präsentieren sich auf der Messe auch rund 50 Indie-Game-Entwickler. Diese kleinen unabhängigen Spieleentwickler sind zunehmend unabhängiger von der Finanzkraft der etablierten Branchengrößen. Da immer mehr Spiele als Download angeboten werden, sinken die Vertriebskosten. Auch die zugehörige Programmiersoftware wird günstiger: Softwareanbieter verlangen zum Teil erst beim Verkauf des Spiels Lizenzgebühren.

Ein Beispiel ist Klonk Games aus München: Das zehnköpfige Team hat vor zwei Jahren noch zusammen Gamedesign studiert, nun hat es ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. „Unser ehemaliges Studienprojekt ist inzwischen so weit entwickelt, dass es Geldverschwendung wäre, wenn es jetzt keinen Publisher geben würde“, sagt Elena Reinert. Deshalb bieten sie und ihre Mitstreiter ihre Entwicklung ab Anfang 2016 über die Vertriebsplattform Steam zum Download an.

Einer der wichtigsten Trends ist dieses Jahr das Thema virtuelle Realität (VR). Die VR-Brillen Oculus Rift von Facebook oder Morpheus von Sony sollen schon in wenigen Monaten zu kaufen sein. Testen können die Besucher sie schon mal. Einem Teil der Testern wird beim erstmaligen Spielen allerdings zunächst einmal schwindelig: Sie leiden an der sogenannten Bewegungskrankheit, die etwa auch beim Lesen im Auto auftreten kann. Der Körper gewöhne sich aber schnell daran, beschwichtigt das Messeteam.

Neben dem intensiveren Spieleerlebnis eignen sich VR-Brillen auch für Geschäftskunden, um beispielsweise dem Kunden eines Architekten in die modellierte Gebäudepräsentation eintauchen zu lassen. Ein Einstiegsmodell für knapp 15 Euro bietet das wenige Monate alte Start-up Vroggles aus Köln an. Der Clou: Statt teurer Hardware für hunderte Euro liefert das Unternehmen eine Selbstbauanleitung aus Pappe, die in Verbindung mit einem aktuellen Smartphone zur VR-Brille wird. Zusammen mit Apps von anderen Entwicklern können durch die Brille auch Hologramme für Produktpräsentationen gezeigt werden.

Bis Sonntag steht die Gamescom allen Besuchern offen. Jetzt noch Karten zu bekommen, dürfte jedoch schwierig werden. Denn die Tickets sind schon seit Wochen ausverkauft. Bei Ebay wird ein Tagespass von ursprünglich 13 Euro für 200 Euro zum Sofortkauf angeboten. Wer noch schnell hin möchte, kann es mit noch verfügbaren Nachmittagstickets versuchen. Der Zugang richtet sich aber nach dem Besucherstrom. Es ist mit mit Wartezeiten zu rechnen.