Unternehmer hui, Politiker pfui: Auf der Noah-Konferenz hatten Abgeordnete wie Sigmar Gabriel oder Martin Schulz einen schweren Stand. Warum Gründer und Politiker nicht zusammenkommen.

Berlin. In Günther Oettinger steckt eine Menge Eric Schmidt. Auf den ersten Blick mag diese Gemeinsamkeit nicht auffallen: Der eine ist EU-Digitalkommissar, der andere Google-Chairman. Der eine wagt kaum eine Regung von seinem Platz am Rednerpult, der andere hingegen gestikuliert wild umher. Der eine berichtet Fakten, der andere erzählt Geschichten. Und ein Zuschauerraum mit Oettinger ist nur spärlich gefüllt, einer mit Schmidt fast vollständig besetzt.

Doch inhaltlich haben die beiden Männer viel gemeinsam. Etwa ihre Auffassung von der europäischen Start-up-Szene. „Ihr braucht einen europäischen digitalen Markt“, rief Eric Schmidt den Zuschauern auf der Noah-Konferenz zu. Patente, Urheberrechte, Steuern – all das müsse Europa vereinheitlichen.

Günther Oettinger sagte inhaltlich fast haargenau dasselbe. „Wir müssen die Start-up-Szene europäisieren“, so der EU-Kommissar am Dienstag in Berlin. Die 28 einzelnen Märkte müssten sich verbinden, um gemeinsam global erfolgreich zu werden.

Inhalt ähnlich, Mentalität verschieden

Der Unterschied: die Reaktion im Publikum. Während Eric Schmidt zustimmendes Nicken erntete, schien bei dem Vortrag von Oettinger kaum jemand am Inhalt interessiert zu sein. Nicht nur an diesem Beispiel zeigte sich die schwierige Beziehung zwischen Start-up-Szene und Politik deutlich.

Dabei teilen Gründer und Politiker durchaus ähnliche Ansichten. Ob Oettinger, Gabriel oder Martin Schulz: Alle drei sprachen in Berlin inhaltlich viele Aspekte an, die die Start-up-Szene derzeit bewegen: Finanzierung, Börsengänge, Exits, Datenschutz, US-Konkurrenz. Doch anders als bei den Auftritten von Eric Schmidt oder Oliver Samwer, die zu einigen Themen die Meinungen der Politiker teilten und Applaus von den Zuschauern dafür ernteten, reagierte das Publikum kaum auf die Vorträge.