ProSiebenSat.1 schnappt sich das nächste Onlineportal, die Kritik an Fake-Profilen wächst und die Start-up-Szene vermeldet zwei Insolvenzen. Die Nachrichten der Woche.

ProSiebenSat.1 kann von Start-ups gar nicht genug bekommen. Fast wöchentlich kündigt das Medienunternehmen neue Übernahmen und Beteiligungen an. In dieser Woche durfte sich das Portal Etraveli zum Portfolio gesellen. Dass die Zusammenarbeit mit ProSiebenSat.1 dagegen nicht immer für die Ewigkeit ist, musste nun allerdings Check24 feststellen. Nachdem das Unterföhringer Unternehmen kürzlich bekannt gab, den Check24-Konkurrenten Verivox zu übernehmen, stellt Christoph Röttele, Mitglied der Geschäftsführung, die Zusammenarbeit mit ProSiebenSat.1 infrage. Der Sender reagierte gelassen, man befinde sich in Gesprächen. Bleibt die Frage, wer da wen mehr braucht.

Bildung gilt nicht unbedingt als sexieste Branche der Start-up-Szene. Das zeigte sich kürzlich schon auf der IFA. Trotzdem gibt es auch unter den sogenannten Edtech-Unternehmen erfolgreiche Beispiele. Zu ihnen gehört Iversity. Am Donnerstag verkündete das Start-up, das Uni-Kurse online anbietet, eine siebenstellige Finanzierungsrunde. Das reicht aber offenbar noch nicht aus: Das Geld soll auch die nächste Wachstumsfinanzierung vorbereiten. Bildung ist eben nicht nur für die Politik teuer.

Start-ups prahlen gerne mit ihren Erfolgen, ob mit Finanzierungsrunden oder mit Expansionen. Doch nicht immer läuft es rund für die jungen Unternehmen. In dieser Woche hatten gleich mehrere deutsche Firmen schlechte Nachrichten zu vermelden: Nachdem vor kurzem bereits das Bastel-Start-up Tollabox pleite ging, musste nun auch das Pendant Wummelkiste Insolvenz anmelden. Vor allem die hohen Marketingausgaben sollen dem Unternehmen zu schaffen gemacht haben. Ähnlich schlecht ergeht es dem Kochbox-Start-up Kochzauber: Während Hellofresh zu den Einhörnern der deutschen Start-up-Szene zählt und eine Millionen-Finanzierung nach der anderen verkündet, wird der Berliner Konkurrent das operative Geschäft ab 2016 offenbar einstellen, wie „Gründerszene“ berichtet. Vielleicht sind Abo-Boxen doch nicht das Modell der Zukunft.

Kürzungen bei Rockets Travelbird

Rocket Internet machen die Abo-Boxen zwar noch keine Probleme, doch dafür zwei andere Start-ups: Travelbird zieht sich aus zehn Ländern zurück und kürzt 100 Stellen, wie das Unternehmen dem niederländischen Portal „TravelPro“ bestätigte. Nicht das erste Start-up in den vergangenen Wochen, dass dem Berliner Inkubator Probleme bereitet. Auch das Image von Helpling ist bekanntlich angestaubt. Nachdem das Putz-Start-up bereits Anfang Oktober 70 Mitarbeiter entließ und sich aus vier Ländern zurückzog, folgte in dieser Woche der Datenaustausch mit dem spanischen Konkurrenten GetYourHero: Während Helpling das Geschäft des Start-ups in Paris erhält, übergibt die Rocket-Firma wiederum ihre Daten in Spanien an GetYourHero. Die schnelle Expansion führt eben nicht immer automatisch zum Erfolg.

Dass es im Leben nicht immer nur rund läuft, weiß auch Christoph Metzelder. Als Fußballer hat er zwar viele Erfolge gefeiert, hat mit Borussia Dortmund die Meisterschaft gewonnen und mit dem DFB-Team 2002 den zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft gemacht. Doch nicht immer lief es in seiner Karriere nur steil aufwärts. Als er sich Anfang 20 verletzte, musste er das erste Mal darüber nachdenken, was nach dem Fußball kommt. Heute ist er Co-Gründer und Co-Geschäftsführer des Sportableger der Werbeagentur Jung von Matt. „Viele Spieler glauben, sie könnten vom dem alten Glanz auch noch später leben. Sie sollten sich vielmehr bewusst machen, dass mit dem Karriereende eine neue Lern- und Ausbildungsphase beginnt“, so Metzelder. Selbstständigkeit ist nicht nur für ihn eine Lösung, sie ist auch für andere Fußballer interessant. Auch, wenn es viele Kicker dank ihrer Millionengehälter längst nicht nötig haben.

Geld mit dem großen Glück machen: Das ist das Geschäftsmodell von zahlungspflichtigen Datingportalen. Wer die große Liebe finden will, muss dafür ein paar Euroscheine hinblättern. Doch was, wenn das charmante Profil des anvisierten Lebenspartnersdann  gar nicht echt ist? Das Start-up Lovoo muss sich bereits seit Wochen mit diesem Thema beschäftigen: Gegen das Portal wurden vor einigen Wochen Vorwürfe laut, es habe im großen Stil falsche Profile eingesetzt und Nutzer, vor allem weibliche, damit abgezockt. Rechtsanwalt Peter Hense hält diese Methode für keinen Einzelfall: „Fake-Profile sind gang und gäbe in einer Branche, die von der Illusion lebt“, hat er uns im Interview erzählt. Die Datingportale machen sich damit sogar strafbar – und zwar wegen gewerbsmäßigem Betrug. Da bleibt die Frage, warum die Politik nicht mehr macht, um den Verbraucher vor solchen Fällen zu schützen.