Das Erdbeben auf Haiti hat weltweit eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst: Rund 30 Millionen Euro haben allein die Deutschen bis Mitte dieser Woche für die Opfer der Katastrophe gespendet. Erstmals spielen dabei Spenden per SMS eine bedeutende Rolle: Eine kurze Textnachricht genügt heute, um rund fünf Euro an eine der großen Hilfsorganisationen zu überweisen. Das ist zwar ein kleiner Betrag, aber in der Summe kommen so schnell Zehntausende Euro zusammen. Schließlich lassen sich die SMS-Spendenaufrufe über soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ und Twitter schnell verbreiten und erreichen damit auch jüngere Internetnutzer, die sonst womöglich nicht gespendet hätten.

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Die Spendino-Gründer

Florian Nöll, Sascha Schubert und Martin Müller wollen Handys in eine “mobile Sammeldose” verwandeln.
(Foto: Spendino)

Möglich macht das ein Startup, das 2008 im Finale des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs stand, und jetzt zielstrebig den Break-Even ansteuert: Spendino aus Berlin. Das junge Unternehmen ist nach eigenen Angaben “der einzige Anbieter in Deutschland, der sich auf den Einsatz von Mobilfunktechnologien für soziale Zwecke spezialisiert hat.” Im Interview erklärt Gründer Florian Nöll, warum die Hilfe nach dem Erdbeben von Haiti eine wichtige Bewährungsprobe für das Startup war.

Gründerraum: Das Erdbeben auf Haiti hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Wie sehr hat der Dienst von Spendino dabei geholfen?
Wir haben sehr viele Aktivitäten im Internet entfaltet und damit die junge Generation mit ins Boot geholt. Dabei geht beispielsweise die große Resonanz bei Twitter und Facebook auf unsere Arbeit zurück. Mit unserem Internetunterstützerkreis haben wir unter dem Motto „Internet for Good“ führende Internetunternehmen für unsere Partnerorganisationen gewonnen.

Wenn ich mit einer SMS fünf Euro über Spendino spende, wie viel Geld kommt dann wirklich in Haiti an?
Von einer Fünf-Euro-SMS gehen 4.83 Euro ohne Umwege auf ein Konto der jeweiligen Hilfsorganisation. Die Minimalvoraussetzung für eine Zusammenarbeit mit uns ist die Gemeinnützigkeit der Organisation.

In den USA kamen am ersten Tag nach dem Beben allein per SMS Spenden in Millionenhöhe zusammen. Wie viel Euro sind über Spendino in den vergangenen Tagen gespendet worden?
Die Entwicklung in den USA ist wirklich beeindruckend, wir befinden uns im engen Austausch mit Mobile Giving in den USA wir sehen gemeinsam das weltweite Potential. Ich kann sagen, dass wir seit einer Woche jeden Tag mehrere tausend Spenden für unsere Partnerorganisationen abgewickelt haben.

Gibt es keine genaueren Zahlen?
Die werden wir bald bekanntgeben.

Warum sind Spenden-SMS in Deutschland noch so unbekannt und wie will Spendino das ändern?
Ich habe nicht den Eindruck, dass das Thema SMS in Deutschland noch gänzlich unbekannt ist. Mit der SMS haben wir einen ganz neuen Spendenweg eröffnet. Viele Non-Profit-Organisationen setzen auf SMS, von den 20 größten Organisationen sind es mehr als die Hälfte.

Wie wichtig war die Haiti-Spendenaktion, um Ihrem Startup zum Durchbruch zu verhelfen?
Wir haben Spendino gegründet, um den gesamten Fundraising-Sektor nachhaltig zu beeinflussen und sind dabei nicht auf Katastrophen fokussiert. Wir konnten jedoch beweisen, dass wir mit einem extrem gut funktionieren Team sehr schnell und effektiv handeln und helfen können. Tatsächlich waren wir am vergangenen Mittwoch schon im Einsatz, bevor zahlreiche Partnerorganisationen den Einsatzfall bekanntgegeben haben. Die Verbreitung in den Medien und über die Nachrichtenagenturen bestätigt unsere Umsetzungsstärke. Man könnte sagen, dass wir eine wichtige Bewährungsprobe bestanden haben.

Im vergangenen Jahr wurde der Dienst von Spendino unter anderem bei Benefizkonzerten, aber auch von politischen Parteien im Wahlkampf eingesetzt. Welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2010?
Wir möchten unsere Vorreiterrolle im Social-Media-Fundraising weiter ausbauen und werden, nachdem wir in den VZ-Netzwerken mit einer Applikation vertreten sind, bald auch in weiteren Social Networks aktiv.

Sie haben Spendino 2008 gegründet, das Team ist seitdem stark gewachsen. Wann wollen Sie den Break-Even erreichen und was muss dafür passieren?
Wir möchten den Break-Even Ende des Jahres erreichen. Wenn wir unser Wachstum fortsetzen können, wird uns das gelingen.

Warum hat Spendinos SMS-Dienst auch dann eine Zukunft, wenn im Internet bessere Micro-Payment-Systeme entstehen?
Die SMS ist ein wichtiger und auch strategischer Bezahlkanal für Spendino. Aber auch schon heute unterstützen wir andere Bezahlarten. Unsere Lösungen sind so gestaltet, dass sie mit unterschiedlichen Payment-Systemen harmonieren. Allerdings sehe ich auf mittlere Sicht kein Micro-Payment-System, dass Vorteile gegenüber der SMS entfalten kann. Die SMS ist sehr einfach, kommt ohne persönliche Daten aus, bei kleineren Beträgen ist sie günstiger als andere Bezahlverfahren und hat zuletzt eine extrem hohe Marktabdeckung.