Initial Coin Offering als Finanzierungsmodell? Diese deutschen Jungunternehmen haben es gewagt – und zum Teil bereits Millionensummen eingenommen. 

Von Jule Zentek

Tokens oder Coins gegen Geld – so läuft ein ICO ab. Bis zu zweistelligen Millionensummen konnten deutsche Start-ups bislang über den Verkauf einer eigenen digitalen Währung per Blockchain-Technologie einsammeln.

Damit ein ICO gelingt, brauchen Start-ups ein Whitepaper, das Einverständnis der Finanzaufsichtsbehörden und ein gutes Marketing. Mindestens ebenso wichtig ist es, das Vertrauen der Geldgeber zu gewinnen, schließlich sind sie es, die in die Geschäftsidee investieren – auf auf dessen Erfolg hoffen.

Daneben gibt es allerhand Risiken, die Start-ups bei einem ICO eingehen. Denn wenn die Geldgeber das Vertrauen in die Firma verlieren oder es zu einem Kurseinbruch kommt, kann die Finanzierung auch schief gehen. Dennoch ist die Finanzierungsmethode gerade für Start-ups attraktiv.

Welche Jungunternehmen es auf dem deutschen ICO-Markt schon gewagt haben, und welche ICOs in nächster Zeit anstehen:

Herdius 

Auch bei Herdius dreht sich alles um den Handel mit Kryptowährungen. Das Start-up wurde erst im November 2017 von Balazs Deme gegründet. Er will eine dezentrale Handelsplattform für Kryptowährungen aufbauen – mithilfe eines ICOs.

Der Pre-Sale der sogenannten „HER“-Tokens für strategische Investoren läuft bereits seit Dezember. Angepeilt sind fünf Millionen Euro. Der öffentliche ICO soll am 2. Juli beginnen. Die Obergrenze liegt da bei 30 Millionen Euro. Durch den ICO soll unter anderem der Aufbau der Open-Source-Plattform und der eigenen Blockchain finanziert werden. Ende 2018 soll dann außerdem die erste Testversion auf den Markt kommen.

Savedroid   

Einer der größten, deutschen ICOs gelang Savedroid: Rund 40 Millionen Euro sammelte das Frankfurter Start-up bei seiner ersten Finanzierungsrunde ein. Dafür gab Savedroid im März sechs Milliarden Tokens der eigenen digitalen Währung „SVD“ an über 35.000 Investoren aus.

Gegründet wurde das Start-up 2015. Savedroid bietet eine Sparhilfe per App an. Nutzer können eine Sparregel bestimmen und beispielsweise das tägliche Sportpensum belohnen: Die App überweist dann selbstständig einen bestimmten Betrag vom Giro- auf das Sparkonto. Bislang hatte das Start-up sich durch Venture Capital finanziert. Im April dann der große Schlag: Start-up-Gründer Yassin Hankir postete auf Twitter, er habe sich mit dem Geld abgesetzt. Was sich nur einen Tag später als PR-Gag entpuppte, könnte für Savedroid noch rechtliche Konsequenzen haben.

CoinAnalyst

Auf einen erfolgreichen ICO hofft auch CoinAnalyst. Das Frankfurter Start-up wurde von Pascal Lauria, Tobias Schnorr, Ram Shoham und Simon Hentschel gegründet und ist ein Spin-Off der Cogia GmbH. Dessen Technologie ermöglicht Analysen durch künstliche Intelligenz. Das nutzt CoinAnalyst, um den Krypto-Markt zu analysieren. Das Ziel: Die Kryptowelt durch fundierte Informationen verständlicher machen.

Der öffentliche ICO ist für den 1. Juli angesetzte – der Vorverkauf soll am 15. Juni starten. Das Ziel liegt bei 20 Millionen Euro. Dafür stellt CoinAnalyst 3,75 Milliarden „COI“ Tokens bereit – zum Stückpreis von 0,01 Euro.

Naga Group

ICO statt IPO? Die Naga Group aus Hamburg dürfte dem zustimmen. Das Fintech-Start-up erhielt durch seinen ICO im Dezember 2017 rund 42 Millionen Euro – der Börsengang im Sommer zuvor brachte nur rund 1,7 Millionen Euro ein.

Erst 2015 wurde das Start-up von Yasin Sebastian Qureshi, Christoph Brück und Benjamin Bilski gegründet. Statt Brück sitzt mittlerweile Andreas Luecke im Boot. Das Start-up will die Finanztechnologie voranbringen: Die erste App „Naga Trader“, ein Soziales Netzwerk per App für den Börsenhandel, begeisterte schnell und die Privatbank Hauck & Aufhäuser stieg ein. Mittlerweile gehört die Bank zur Fosun Group – eines der größten chinesischen Konglomerate.

Trotz der chinesischen Unterstützung wagte sich die Naga Group an einen ICO: 63.000 Investoren kauften den „Naga Coins“ (NGC). Das Geld wird unter anderem in das neue Projekt Switex fließen: Eine Handelsplattform für den virtuellen Tausch von sogenannten „Ingame“-Gegenständen aus Videospielen.

Bitwala

Mit Bitcoin per Kreditkarte oder Überweisung zahlen – das will Bitwala möglich machen. Das Start-up will als Finanzdienstleister die Verbindung zwischen Fiat und Kryptowährungen schaffen. Jan Goslicki, Jörg von Minckwitz und Benjamin Jones haben Bitwala

2015 gegründet. Über 70.000 betreute Kunden und ein Umsatz von 75 Millionen Euro – so die Bilanz bis zum Relaunch Anfang 2018. Seitdem haben sich rund 25.000 Nutzer für das neue Produkt vorangemeldet: Ab Sommer will Bitwala die erste Krypto-Banking Lösung für den alltäglichen Gebrauch anbieten – bislang ging das nur mit einer Krypto-Debitkarte.

Zur Expansion und Weiterentwicklung plant das Start-up noch in diesem Jahr einen ICO. Dafür arbeitet Bitwala eng mit rechtlichen Beratern sowie verschiedene Experten für Blockchain und aus dem Bankwesen zusammen. Bislang erhielt das Start-up rund 2,3 Millionen Euro durch verschiedene Finanzierungsrunden mit Investoren wie Digital Currency Group, ALSTIN und dem High-Tech Gründerfonds.