Die Kreditplattform für kleine und mittlere Unternehmen erhält frisches Eigenkapital von internationalen Investoren und ernennt einen Banker zum neuen Deutschlandchef.

Angeführt von Accel (Kalifornien), beteiligten sich an der Runde die bestehenden Investoren von Funding Circle wie Baillie Gifford (Edinburgh), DST Global (Moskau), Index Ventures (London), Ribbit Capital (Kalifornien), Rocket Internet (Berlin), Sands Capital Ventures (Washington), Temasek (Singapur) und Union Square Ventures (New York). Mit der neuen Finanzierungsrunde kommt das Londoner Start-up jetzt auf fast 350 Millionen Euro Eigenkapital.

Funding Circle wurde 2010 gegründet. Auf der Plattform treffen kleine Unternehmen mit Finanzierungsbedarf auf Anleger, die in Großbritannien, den USA oder Europa investieren wollen. So werden die Unternehmen weniger abhängig vom Bankgeschäft und die Anleger kassieren Rendite.

Mehr als 60.000 Privatanleger, Finanzinstitutionen und die britische Regierung haben seit der Gründung mit mehr als 2,87 Mrd. Euro rund 25.000 Unternehmen weltweit bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützt. Etwa ein Zehntel der Anlegergelder stammen heute aus öffentlichen Quellen, etwa aus der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

„Die aktuelle Investition macht Funding Circle zur größten und am besten kapitalisierten Plattform für die Vermittlung direkter Kreditvergabe“, sagt Harry Nelis, Partner bei dem Investor Accel. In verschiedenen internationalen Märkten habe Funding Circle signifikantes Wachstum erreicht.

2016 haben Unternehmen über die Plattform fast 1,3 Milliarden Euro an Krediten erhalten. „Die heutige Nachricht ist ein nächster Meilenstein“, sagt Samir Desai, CEO und Mitgründer von Funding Circle.

Außerdem ernennt das Finanz-Start-up einen neuen Geschäftsführer für Deutschland: Thorsten Seeger wird ab dem 23. Januar neuer Chef für den deutschen Markt, der von Berlin aus gesteuert wird. Der Manager war zuvor Leiter der Sparte Finanzmärkte für kleinere und mittlere Unternehmen bei der Lloyds Banking Group, einer der größten britischen Banken.

„Für mich ist es der richtige Zeitpunkt, ein motiviertes Team zu verstärken und den Wandel des Finanzwesens in Deutschlands mitzugestalten“, sagt Seeger. Er ist damit die zweite prominente Verstärkung aus der Bankenbranche. Im März 2016 wurde Jörg Asmussen, ehemaliges Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), in den Aufsichtsrat von Funding Circle berufen.

Das Start-up steht jetzt vor der Herausforderung, dass sein Geschäftsmodell nicht zu stark reguliert wird. Im vergangenen Jahr warnte die britische Finanzaufsichtsbehörde vor den Risiken dieses direkten Kreditgeschäfts, bei dem keine Bank zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber steht. Dadurch entstehe ein höheres Ausfallrisiko, das vielen Anlegern nicht bewusst sei.