Kontakte pflegen, Vetrauen gewinnen: Es kann Jahre dauern, als Gründer ein Netzwerk aufzubauen. Praktisch, wenn man das längst hinter sich hat. Der zweite Teil unserer Serie über die Vorteile des Alters.

Gründer sind jung und kommen frisch von der Uni? Von wegen: Nach Angaben der KfW ist jeder dritte Gründer in Deutschland älter als 45. Zwar umfasst die Statistik nicht nur hippe Start-ups, sondern auch die vermeintlich biedere Old Economy: Anwaltskanzleien, Pflegedienste oder Restaurants. Doch immerhin 15 Prozent der über 45-jährigen Gründer waren laut KfW mit digitalen Geschäftsmodellen aktiv.

Und der Deutsche Startup-Monitor, eine Befragung von etwa 1200 Start-ups, stellt fest: Der Altersdurchschnitt steigt sogar. Im Jahr 2013 waren noch weniger als zehn Prozent der Gründer älter als 45. Im vergangenen Jahr waren es bereits fast 20 Prozent. Ist der Jugendwahn der Gründerszene womöglich eine Illusion? Was erleben ältere Menschen, die den Schritt wagen? Unsere Serie sammelt Argumente von Forschern, die durchaus Vorteile für ältere Gründer sehen.

Christine Deger profitiert von ihrem großen Netzwerk. Die 54-jährige Stuttgarterin baut gerade eine Beratung für Cybersicherheit auf. Zuvor arbeitete die Kauffrau in verschiedenen Branchen. Zunächst in der Verwaltung einer Diakonie, dann in einem Unternehmen für Versicherungsinformatik, danach bei einem Softwarehersteller, wo sie zuletzt die Entwicklungsabteilung leitete. In dieser Zeit hat sie viele Kontakte aufgebaut, was ihr nun zugutekommt: „Meine ersten Aufträge kamen aus diesem Netzwerk.“

Persönlicher Kontakt erleichtert Kooperationen

Ein Forscherteam um den Portugiesen Rui Baptista resümierte im Jahr 2013, dass Gründer, die zu Beginn älter als 50 waren, sich eher am Markt halten als die unter 30-Jährigen – und zwar unabhängig von vorheriger Arbeits-, Branchen- und Führungserfahrung. Experten vermuten, dass das persönliche Netzwerk ein entscheidender Faktor ist – denn jenes ist im Alter tendenziell größer. Diese und andere Untersuchungen lassen vermuten, dass Unternehmen von älteren Gründern tatsächlich erfolgreicher sind.

Auch die Kundenakquise fällt Unternehmern mit Berufs- und Lebenserfahrung leichter – vor allem, wenn sie sich ebenfalls an Unternehmen richten und nicht an Privatpersonen. Das bestätigt auch eine Umfrage des RKW Kompetenzzentrums aus dem vergangenen September unter 175 kleinen und mittleren Unternehmen: Mehr als die Hälfte sagte, nur mit solchen Start-ups zu kooperieren, deren Führungspersonal sie persönlich kennen – und jedes vierte legte Wert darauf, dass die Gründer älter als 25 Jahre waren und langjährige Branchenerfahrung hatten.

In Teil eins unserer Serie: Alter steigert das Selbstbewusstsein.