Einige Gründer stehen den Häftlingen ebenfalls als Berater zur Verfügung. Diese Verbindung hält Bernd Maelicke für sehr wichtig: „Von den Unternehmern aus der Wirtschaft können geeignete Häftlinge sehr viel lernen: unternehmerisches Denken und Handeln, Selbstverantwortung, Zukunftsorientierung, wirtschaftliches Handeln, Kundenorientierung“, so der Kriminalexperte. Diese Kompetenzen würden im Gefängnis nicht vermittelt, seien aber nach der Entlassung von großer Bedeutung.

Janotta ist vor einem halben Jahr aus dem Gefängnis gekommen. Ihm hat die Betreuung sehr geholfen. Leonhard hat ihm in München eine Unterkunft und einen Teilzeitjob besorgt, in dem er täglich vier Stunden arbeitet. Seine Mentorin unterstützt ihn dabei – wie auch schon im Gefängnis. Dort entwickelte er bereits einen Blog, auf dem er kostenlos Tipps zur IT-Sicherheit gibt.

Er hat zwar noch nicht selbst gegründet, arbeitet aber weiterhin an seinem Projekt. Eine Weiterbildung im IT-Bereich, die er vor Kurzem abgeschlossen hat, ist da erst der Anfang: In den kommenden Monaten soll aus seiner Idee eine IT-Security-Firma entstehen. Damit will er künftig jene Schlupflöcher schließen, die er früher für seine kriminellen Machenschaften genutzt hat.

Dass die Gründerkurse nicht nur ihm helfen, belegen die Zahlen: Von den 100 Absolventen sind mittlerweile 76 entlassen. Insgesamt entstanden 16 Unternehmen, 60 Prozent der Gründer fanden binnen eines Monats einen Arbeitsplatz. Auch die Rückfallquoten sprechen für Leonhard: Nur zwölf Prozent der Teilnehmer wurden nach der Haft rückfällig, wie eine Studie der TU München und der US-Universität Indiana zeigt. Auch das Vorbild texanischer Gefangener lässt hoffen: Dort liegen die Rückfallquoten in einem ähnlichen Projekt deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt.

Trotzdem steht das deutsche Äquivalent vor einem Problem: Ende Juni ist die Förderung durch den Europäischen Sozialfonds ausgelaufen. Nun sucht Leonhard neue Investoren. Bei der Veranstaltung in München zu Beginn des Monats ging es daher nicht nur um die Häftlinge. Auch potenzielle Sponsoren sind unter den Zuschauern. Für die Jopens gilt es, diese zu überzeugen. Ansonsten steht das Projekt vor dem Aus.

Für Teilnehmer wie Michael Maixner wäre das bedauerlich. Der Unternehmer wollte wegen des Kurses sogar unbedingt länger im Gefängnis bleiben. Als er erfuhr, dass sein Entlassungstermin zwei Wochen vor Abschluss des Gründerkurses liegen würde, besorgte er sich eine richterliche Verfügung, um seinen Aufenthalt im Gefängnis um 14 Tage zu verlängern – und an der Endveranstaltung teilnehmen zu können. „Ich muss immer alles zu Ende bringen“, sagt Maixner. Selbst dann, wenn es eine längere Haft bedeutet.