Für Janotta war die Aufnahme in das Programm ein Glücksfall. Der Haftalltag bekam endlich eine Struktur: Unterricht von acht bis 16 Uhr, praktisches Wissen, Persönlichkeitstraining. Nach den Acht-Stunden-Kursen ging es weiter: „Auf der einen Seite versucht man zu verarbeiten, was man in dieser Zeit gelernt hat“, sagt er. „Auf der anderen Seite entwickelt man seine Idee immer permanent weiter.“

Doch selbst wenn der ein oder andere sich bereits hinter Gittern Gedanken über sein Geschäftsmodell macht – die Rückkehr in die Gesellschaft ist häufig problematisch. „Nach Absitzen ihrer Strafe kämpfen viele mit Drogensucht, Familienproblemen oder Einsamkeit“, sagt Bernd Maelicke, Kriminalexperte des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft. Er spricht in solchen Fällen vom „Entlassungsloch“.

Außerdem kehrten viele Ex-Insassen in ihr altes Umfeld zurück. Die Folge: Jeder dritte Ex-Häftling wird erneut straffällig und landet wieder hinter Gittern, wie Zahlen des Bundesjustizministeriums zeigen. Laut einer Studie der Uni Göttingen sind es bundesweit sogar 46 Prozent.

Jopen will diese Zahlen reduzieren. Gemeinsam mit seiner Tochter Maren gründete er 2011 die Leonhard GmbH. „Straftäter haben Potenzial“, sagt Jopen, „sie sind oft innovativ und kreativ.“ Mit Leonhard will er dafür sorgen, dass diese Energie künftig in legale Projekte fließt.

Ein Sträfling kann sechs bis zwölf Monate vor seiner Entlassung an den Kursen teilnehmen. Das ist wichtig, damit das Ziel nicht zu weit weg ist. Sechs Monate lang lernen die Insassen von externen Karrieretrainern und Gründern, wie sie einen Businessplan erstellen, ihre Idee vermarkten und ihr Gewerbe richtig anmelden. Basiswissen für Start-ups, nur hinter Gittern.

Um den Straftätern aber auch bei ihrem Weg zurück in die Gesellschaft zu helfen, wählt das Team von Leonhard die Kandidaten nicht nur genau aus, sondern setzt neben BWL-Kenntnissen auch auf Persönlichkeitstraining: Wie kommuniziere ich mit meinen Mitarbeitern? Wie präsentiere ich mich vor einem Investor? Und was sage ich in einem Bewerbungsgespräch?