Im Bayerischen Wald fahren ab sofort Minibusse, deren Routen optimiert werden, im Nahverkehr mit. Die Zahl der Pilotprojekte für smarte Mobilität im Land nimmt zu.

230 virtuelle Haltestellen, aber keinerlei fester Fahrplan: Heute startet in der bayerischen Kleinstadt Freyung, nahe an der tschechischen und österreichischen Grenze, ein sogenannter Ridepooling-Dienst in den Regelbetrieb. Hinter dem Projekt unter dem Markennamen „Freyfahrt“ stecken die Kommune selbst sowie das Berliner Mobilitäts-Start-up Door2Door.

Zwei Kleinbusse bedienen von Montags bis Samstags das Gemeindegebiet, die effizientesten Strecken für die bis zu acht Fahrgäste werden dabei jeweils von einer Software errechnet. Man fördere so die gesamte lokale Infrastruktur, lässt sich Freyungs 1. Bürgermeister Olaf Heinrich in einer Pressemitteilung zum Start zitieren.

Ridepooling-Tests nehmen zu

Mit Neugier blicken Mobiltitätsanbieter und Politiker vor allem auf das Experiment im ländlichen Raum. „Der Transfer einer Ridepooling-Technologie aus der Stadt hin zum ländlichen Raum stellt eine enorme Herausforderung dar“, sagt Door2Door-Mitgründer Tom Kirschbaum. In Städten sorgt eine höhere Bevölkerungsdichte und mehr potentielle Mitfahrer für einfachere Testbedingungen. „Freyfahrt“ soll deshalb auch aus den ersten Erfahrungen lernen: Reichen Fahrzeuge und Betriebszeiten? Muss die Fläche vielleicht noch einmal erweitert werden?

Mit dem Start in Bayern vergrößert sich die Zahl der Ridesharing-Dienste noch einmal (die PR-Agentur Openers, die unter anderem Door2Door betreut, hat hier eine aktuelle Übersicht über Anbieter, Städte und Fahrzeuge zusammengetragen). In diesem und dem letzten Jahr sind einige Anbieter mit verschiedenene Kooperationen und Lösungen losgefahren – noch sind es jedoch vor allem eingeschränkte Versuche, um Erfahrungen über die Auslastung und Zahlungsbereitschaft der Nutzer zu erhalten.

Langsam schalten die Anbieter hoch

Zu Beginn dieser Woche hatte etwa die Volkswagen-Tochter Moia angekündigt, ab sofort mit zuerst 35 Kleinbussen einen Ridesharing-Service in Hannover anzubieten. Clevershuttle, an dem die Deutsche Bahn beteiligt ist, ist unter anderem in Lübeck und Leipzig unterwegs. Door2Door setzt in Berlin unter anderem auf eine Kooperationen mit dem ADAC,  die Berliner Verkehrsbetriebe arbeiten parallel mit dem Daimler-Joint-Venture Viavan zusammen.

Flächendecken und dauerhaft in den öffentlichen Nahverkehr ist das Angebot noch nirgendwo integriert. Das liegt auch daran, dass die neuen Mobilitätsanbieter auch auf Widerstand stoßen und Genehmigungen nicht so schnell wie gewünscht vorliegen. Moia musste sich in Hannover gegen heftige Vorbehalte aus der Taxibranche wehren, die eine Bedrohung des eigenen Geschäfts fürchtet. Auch im Bayerischen Wald ging nicht alles so schnell wie geplant: Die erste Ankündigung des Ridesharing-Shuttles, der nun als „Freyfahrt“ losfährt, ist bereits mehr als ein Jahr alt.