Das Berliner Start-up will regionale Social-Media-Influencer mit Firmen vor Ort vernetzen. Um den Vertrieb zu stärken, steuern Investoren eine siebenstellige Summe bei.

Um weiter wachsen und ins Ausland expanieren zu können, hat das Start-up Freachly einen Millionenbetrag von Investoren erhalten. Das Geld stammt vom Risikokapitalgeber HV Holtzbrinck Ventures, dem US-amerikanischen Investor Partech und mehreren Altinvestoren. Zur genauen Höhe des Investments im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde macht die Berliner Influencer-Plattform keine Angaben.

Freachly stellt für Firmenkunden den Kontakt zu sogenannten Influencern aus der Social-Media-Welt her, die Produkte oder Dienstleistungen auf ihren Kanälen bewerben – etwa in Videos bei Youtube oder über Fotos bei Instagram. Die Influencer sollen mit Hilfe von Sonderangeboten ihren Weg auf das Portal finden: Dafür bietet Freachly per App zum Beispiel Gutscheine für Gratis-Abendessen in Restaurants, kostenlose Hotelübernachtungen oder Einkäufe in Bekleidungsläden an.

Um sich von anderen Anbietern für Influencer-Marketing abzusetzen, wählen die Berliner eine lokale Strategie. Die Firma mit derzeit 30 Mitarbeitern spricht dabei gezielt Restaurants, Bars, Kleidungsgeschäfte oder Eventveranstalter an, die Social-Media-Größen in ihrer Stadt oder Region für eine Marketing-Kooperation gewinnen wollen. Freachly verhandelt dann die Vergütung, organisiert persönliche Treffen und wertet am Ende den Erfolg der Kampagne aus. Das 2017 gegründete Start-up wirbt damit, monatlich 1.800 solcher Kooperationen anzubahnen – bei 5.000 registrierten Influencern.

Verstärkung für den Vertrieb

Mit Hilfe der neuen Finanzierung will das Gründerteam in erster Linie den Vertrieb stärken und stellt dafür zusätzliche Mitarbeiter in Berlin und anderen Großstädten ein. Zudem will das Start-up nach eigenen Angaben mit Hilfe von Salesforce-Anwendungen die Produktivität seiner Mitarbeiter steigern. Im Herbst 2018 soll Freachly nach London expandieren, so ein Sprecher auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer.

Mit Influencer-Marketing setzt Freachly auf eine teils kritisch betrachtete Praxis, da die Werbung über Social-Media-Kanäle in der Vergangenheit für Internetnutzer in einigen Fällen nicht als solche zu erkennen war. Inzwischen gelten zunehmend strengere Regeln zur Kennzeichnungen von Partnerschaften und Werbung. Auf Anfrage erklärt das Start-up, insbesondere bezahlte Kooperationen für kennzeichnungswürdig zu halten. Um Akzeptanz für den Marketing-Kanal zu schaffen, komme es auf einen offenen Umgang der Influencer mit bezahlten Kooperationen an. Von einer Kennzeichnungspflicht ausnehmen würde die Firma ihrem Sprecher zufolge dagegen Influencer, die ohne finanzielle Gegenleistung Produkte oder Services weiterempfiehlten.

Investoren gehen in die Offensive

Aus Sicht der Investoren eröffnet sich ein attraktiver Markt: „Influencer-Marketing hat in den letzten Jahren weltweit massiv an Bedeutung gewonnen. Freachly trifft mit ihrer lokalen Lösung also genau den Nerv – das verspricht großes Wachstumspotenzial”, lässt sich Jan Miczaika, Partner bei HV Holtzbrinck Ventures, in einer Pressemitteilung zitieren. Die Venture-Capital-Gesellschaft hat vor Kurzem eine Investmentoffensive gestartet und erst im Januar seinen siebten Fonds in Rekordhöhe von über 306 Millionen Euro geschlossen.

Mario Geiß, Managing Partner bei Freachly, hofft von den Erfahrungen des Investors zu profitieren: „Mit ihrer Erfahrung im Aufbau von plattformbasierten Geschäftsmodellen ist Holtzbrinck Ventures für uns ein idealer Partner. Einerseits, um weitere deutsche und europäische Partnerschaften aufzubauen und andererseits, um unser Produkt zu optimieren.“