Die Bankenmetropole will auch zum Zentrum für junge Finanzunternehmen werden. Dafür gibt es jetzt einen Masterplan – und einige Millionen Euro.

Mainhattan 2.0: Frankfurt und die umliegende Region will sich bis zum Jahr 2022 zum führenden Zentrum für Fintechs in Europa entwickeln. Auf dieses ehrgeizige Ziel haben sich jetzt das hessische Wirtschaftsministerium, Firmen und Hochschulen aus dem Rhein-Main-Gebiet verständigt. 15 bis 20 Millionen Euro sollen dafür investiert werden, um die Anziehungskraft für Start-ups deutlich zu erhöhen.

Laut des Masterplans sind aktuell bereits 81 Start-ups in der Region angesiedelt, die sich auf Themen rund um Finanzprodukte konzentrieren. Nach eigener Einschätzung sei man dabei bundesweit bereits der zweitgrößte Hub nach Berlin. Klar ist aber auch: Die großen Namen der deutschen Fintech-Szene sind anderswo daheim – wie etwa Kreditech mit Hauptsitz Hamburg oder Portale wie Raisin mit Standort in der Hauptstadt.

Von 81 auf 500 in fünf Jahren

Jetzt will Frankfurt aber den Turbo einschalten: In fünf Jahren sollen insgesamt 500 Fintechs am Main zu Hause sein, mehr als 5000 Beschäftigte sollen dann in diesen Start-ups arbeiten – und mindestens eines der jungen Unternehmen soll jedes Jahr eine Milliardenbewertung als sogenanntes Einhorn erreichen.

Die Beteiligten wissen, dass diese Ziele ehrgeizig ist: „Um als Region auch langfristig attraktiv und ökonomisch leistungsfähig zu bleiben, bedarf es nicht nur einer finanziellen Kraftanstrengung aller Beteiligten, sondern auch einem Bekenntnis zu Unternehmertum und einem gemeinsamen Verständnis für die Dynamiken einer digitalen Gesellschaft“, fasst Sebastian Schäfer, Geschäftsführer des Gründerzentrums TechQuartier, die Aufgaben zusammen.

Ein ganzes Paket an Maßnahmen (hier geht es zum PDF des Masterplans) soll dabei helfen. Ein Schritt ist eine neue Kooperation des TechQuartiers mit dem international bekannten Start-up-Accelerator Plug and Play. Diese Partnerschaft soll junge Fintechs nach Frankfurt zu bringen und mit Banken ins Gespräch zu bringen. Gerade im B2B-Bereich hatten zuletzt einige Start-ups in Deutschland erfolgreich die Nähe zu etablierten Finanzdienstleistern gesucht.

Konkurrenz mit anderen Bundesländern

Daneben soll auch verstärkt bei internationalen Investoren für den Standort geworben werden. Und das Land Hessen selbst plant zusätzlich einen Gründerfonds mit 33,5 Millionen Euro, der insbesondere bei Ausgründungen aus Hochchulen und Forschungseinrichtungen helfen soll. Man wolle „als Land aber auch die Entwicklung innovativer Unternehmensgründungen in ganz Hessen vorantreiben“, lässt sich Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir zitieren. Er ist optimistisch, dass der ehrgeizige Plan aufgeht: „Wir haben damit alles, was ein gutes Gründerökosystem benötigt: Perfekte Erreichbarkeit, finanzkräftige Kunden und Highspeed-Internet-Verbindungen.“

Auch andere Bundesländer werben verstärkt um Start-ups – selten jedoch mit einem so klaren Branchenfokus wie jetzt Hessen. Baden-Württemberg hatte in dieser Woche einen Think-Tank für Start-ups angekündigt. Daneben hatten mehrere Bundesländer wie etwa NRW oder Niedersachsen in der jüngeren Vergangenheit angekündigt, deutlich mehr Geld für Start-ups oder Start-up-Initiativen bereitzustellen.