Der Glanz bekannter Marken trifft auf falsche Gewinnvorstellungen, wenig Kreativität und Probleme mit Gewerkschaften. Wer Franchisenehmer werden möchte, sollte nicht zu blauäugig sein.

Selbstständig sein, der eigene Chef und doch Teil eines Größeren – das klingt verlockend. Knapp 120 000 Franchisenehmer gibt es laut Franchiseverband (DFV) in Deutschland, fast doppelt so viele wie vor zwölf Jahren. Der Umsatz der Franchisebranche hat sich sogar mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei knapp 100 Milliarden Euro.

Besonders bei Dienstleistungen und im Handel, sowie in der Gastronomie, dem Hotelgewerbe und im Fitnessbereich treffen Kunden häufig auf ein Franchisesystem – oft ohne es zu merken. So handelt es sich nicht nur bei Fast Food-Marken wie Subway, Kfc, Nordsee und Vapiano um Franchise, sondern auch bei manchem Fitnessstudio (Bodystreet, Clever fit, Injoy), Baumarkt (Hagebau, Obi), Lebensmittelhändler (Backwerk, Kamps, Tee Gschwender), Reisebüro (Alltours, TUI), Autohändler und sonstigem Dienstleister (Engel & Völkers, Mister Minit, Schülerhilfe) oder Einzelhändler (Apollo Optik, Tchibo, Fressnapf).

Vorteile: Bekannte Marke, rascher Umsatz

Für Gründer, die sich als Franchisenehmer selbstständig machen wollen, ist das einheitliche Auftreten ein Vorteil: Die Marke ist schon bekannt. Sie müssen nicht selbst aufwändige Werbung und Marktpositionierung betreiben. Auch für Marken- und Patenteintragung fallen weder Zeit noch Kosten an. Der sonstige Aufwand hält sich ebenfalls in Grenzen: Spezifische Branchenkenntnisse werden laut DFV bei den meisten Franchisesystemen nicht verlangt. „Das erforderliche Know-how erhalten Franchisepartner vom Systemgeber,“ heißt es. In einem Franchisehandbuch und mit Schulungen soll die Muttermarke die Franchisenehmer unterstützen.

Für die Unterstützung und Vorarbeit des Markenentwicklers geben die Nehmer durchschnittlich sieben Prozent ihres Umsatzes an den Systemgeber ab. Selbst die Investitionen sind überschaubar; nach Verbandsangaben betragen sie durchschnittlich 50 000 Euro; nur bei jedem vierzehnten Franchisegründer liegen sie bei über 200 000 Euro.