Mit einer Gründungsoffensive will der Bund auch Start-ups umfangreicher unterstützen. Einige Förderungen der Branche bleiben jedoch weiter ungehört.

Zuletzt atmeten die Start-up-Statistiker auf: Die Zahl der innovativen Gründungen, zu denen die meist digital getriebenen Start-ups zählen, ist in Deutschland wieder angestiegen. Doch weil Unternehmen immer intensiver um Fachkräfte werben, bleibt jede Konkurrenz zur meist mühsamen Selbstständigkeit groß. Jetzt will auch der Bund das Thema auf die Agenda rücken: Gestern rief Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gemeinsam mit mehreren Industrie- und Wirtschaftsverbänden die „Gründungsoffensive“ (kurz: Go) aus.

Die soll ganz allgemein „Menschen ermutigen, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, und die Gründungskultur in Deutschland stärken“, sagte Altmaier gestern. Einige der vorgestellten Projekte (hier geht es zum gesamten PDF) zielen jedoch speziell auf die Start-up-Szene. Bereits vor zwei Wochen hatte Altmaier im Gespräch mit der WirtschaftsWoche hier „zusätzliche Impulse“ für junge Digitalunternehmen angekündigt.

Die Sammlung ist eine Mischung aus bereits existierenden Maßnahmen, die überarbeitet und zum Teil erweitert werden sollen – und neuen Ideen, die nicht in jeden Fall bereits durch Parlamentsbeschlüsse bestätigt sind. Ein erster Blick quer durch das Dokument zeigt: Viele bislang erfolgreiche Projekte sollen aufgestockt werden – auf den großen Wurf in der Start-up-Politik dürfte die Branche weiter warten.

Mehr Finanzierungsmittel

Ohne Risikokapital bleiben viele Start-ups in einem frühen Stadium stecken. Altmaier kündigt einen „Runden Tisch“ an, in dem speziell die Finanzierung „im digitalen Wandel“ diskutiert werden soll. Gründerkredite aus dem ERP-Sondervermögen sollen für junge Unternehmen weiter bereitgestellt werden. Eine neu gegründete KfW-Tochter soll – wie bereits angekündigt – über die Investition in verschieden Fonds die in Deutschland verfügbaren Mittel erhöhen.

Ein zusätzlicher „Tech Growth Fund“, der dieses Jahr noch aktiv werden soll, ermöglicht Wagniskapitaldarlehen für Tech-Unternehmen. Das Invest-Progrann, über das private Investoren ein Fünftel ihres Investments steuerfrei erstattet bekommen, soll über das Jahr 2020 fortgeführt werden. Pro Jahr stehen für dieses Instrument aktuell 46 Millionen Euro zur Verfügung.

Was sich nicht in der Sammlung wiederfindet: Der Wunsch vieler Start-ups, dass auch institutionelle Anleger wie Pensionsfonds leichter in risikobehaftete Unternehmen investieren können, taucht nicht auf. Ein solcher Schritt, so erhofft es sich zumindest die Gründerwelt, könnte umfangreiche Finanzmittel freisetzen.

Bessere Förderung

Das Förderprogramm Exist unterstützt Ausgründungen aus Hochschulen – Gründer können hier einen zeitlich begrenzten Zuschuss für Forschungs- und Lebenshaltungskosten beantragen. Nach aktuellen Zahlen des Ministeriums wurden auf diesem Wege in den letzten zehn Jahren 2300 Gründungsvorhaben unterstützt.

Eine neue Förderrichtlinie („Exist Potentiale“) soll Leuchtturmprojekte zu drei Schwerpunktthemen hervorbringen. Für das kommende Jahr sollen die Haushaltsmittel ihier verdoppelt werden. Ebenfalls angedacht: Hochschulen sollen auch Gründer aus dem Ausland anwerben dürfen, die dann in Deutschland ihr Idee in ein Start-up verwandeln.

Weniger Bürokratie

Wen man auch fragt – zu komplizierte Verfahren, Dokumente und Prozesse im Kontakt mit Behörden sind für viele Start-ups ein häufiger Beschwerdegrund. In der Gründungsoffensive sagt Altmaier zu, dass sich der Bund diesem Thema annehmen will – nennt jedoch nur eine vierteljährliche statt monatliche Umsatzsteuervoranmeldung als konkretes Projekt. Start-ups hoffen hier unter anderem auf die leichtere Beantragung von Aufenthaltsgenehmigungen für ausländische Fachkräfte. Mehr Entlastung soll aber erst ein Vorhaben mit einem besonders bürokratischen Namen bringen: Das Bürokratieentlastungsgesetz III.