NRW fördert Gründer in einer frühen Phase mit einem Stipendium in Höhe von 1000 Euro im Monat. Die ersten Pitches um die Förderung haben nun begonnen.

Die Motivation ist groß, doch die Taschen werden immer leerer: Martin Fenkl und einige seiner Mitgründer sind wieder bei ihren Eltern eingezogen, um an ihrem Start-up werkeln zu können. Zu viert wollen sie in Bielefeld Collarcare groß machen: Ein Hundehalsband, verknüpft mit Plattform und App, mit der Hundebesitzer die Gesundheit ihrer Tiere im Blick behalten können. Ideelle Unterstützung gibt es durch einen Accelerator der Founders Foundation in Bielefeld, finanzielle Mittel fehlten bislang: „Die Sorgenfalten werden größer, wenn die Ersparnisse kleiner werden“, sagt Fenkl.

Das könnte sich bald ändern: Gestern konnte sich das Team in Bielefeld über ein positives Feedback einer Jury freuen. Läuft jetzt formal alles glatt, könnten die Collarcare-Gründer bald zu den ersten Profiteuren des Gründerstipendiums NRW zählen. Mit 1000 Euro brutto pro Person und Monat will die Regierung im Land junge Unternehmer auf dem Weg zur ersten Gründung unterstützen – maximal ein Jahr lang kann die Förderung bewilligt werden. Das Gründer-Grundeinkommen soll dabei helfen, sich voll auf die Arbeit an einer unternehmerischen Idee konzentrieren zu können.

Pitches um das Gründer-Grundeinkommen

In dieser Woche sind die ersten Pitches um die neue Förderung angelaufen. In Paderborn und Bielefeld versuchten Gründer, die Innovationskraft ihrer Idee und den eigenen Finanzbedarf vor Auswahlkommissionen deutlich zu machen. Dabei waren neben Collarcare unter anderem ein Start-up mit Ideen rund um digitalen Angeboten für Seniorenheime. In Münster und im Rheinland soll es in der nächsten Woche weitergehen.

Die Entscheidung hat die Politik dabei ausgelagert: Insgesmt 56 Netzwerkpartner, die sich über das Land verteilen, können über eine mögliche Eignung für das Gründerstipendium entscheiden. Darunter sind Einrichtungen wie die regionalen Digi-Hubs des Landes, Startercenter der Industrie- oder Handwerkskammern oder Gründungsberatungen der Hochschulen.

Gibt eine Jury grünes Licht für die Förderung, müssen die Start-ups jedoch noch eine formale Prüfung überstehen – da geht es unter anderem um nicht erwünschte doppelte Förderungen durch die öffentliche Hand. Im Idealfall sollten die Überweisungen aber spätestens drei Monate nach der Entscheidung beginnen, teilt ein Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums auf Anfrage mit. Insgesamt stehen für die nächsten vier Jahre 26 Millionen Euro für das neue Förderinstrument zur Verfügung.

Sorge vor zu viel Bürokratie

Maximal drei Teammitglieder können pro Start-up das Stipendium zugesprochen werden. Für die Collarcare-Gründer könnte die Förderung eine deutliche Entlastung bringen. „Es reicht vielleicht nicht zum Leben, aber zum Überleben“, kommentiert Fenkl das Stipendium. „So können wir uns 50, 60 Stunden die Woche auf das Start-up konzentrieren und uns abends doch noch was zu essen holen.“

Bundesweit betrachtet bewerben sich im Laufe ihres Gründerlebens zwei von drei Unternehmer auf staatliche Förderung, zeigt eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Abeschreckt fühlen sich viele Start-ups vor allem vom bürokratischen Aufwand, der rund um die Bewerbung auf sie zukommt. „Das hier war im Vergleich zu anderen Förderungen tatsächlich recht unbürokratisch“, berichtet Gründer Fenkl aus den ersten Erfahrungen rund um das Gründerstipendium.

Initiativen für Start-ups hatten in den vergangenen Monaten auch zahlreiche andere Bundesländer auf den Weg gebracht. Kürzlich waren etwa in Bayern Fördertöpfe aufgestockt worden, Baden-Württemberg plant ein neues Instrument, um Start-ups in der Frühphase zu unterstützen.