Der Berliner Jungunternehmer Florian Nöll ist mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ins Silicon Valley gereist. Im Interview erklärt er, warum der erste Besuch eines deutschen Ministers im High-Tech-Mekka mehr war als Image-PR und weshalb es im Mai erneut nach Kalifornien geht – dann mit einem Flieger voller Gründer

Unter Gründern: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (1. Reihe, Mitte) und Florian Nöll (1. Reihe, rechts) auf dem Rückflug von Kalifornien (Foto: BDS)

Gründerraum: Als Mitgründer und Sprecher des Bundesverbands Deutsche Startups haben Sie Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zu Wochenbeginn bei seinem Blitzbesuch ins Silicon Valley begleitet – eine Statistenrolle?
Nöll: Nein. Wir Gründer hatten reichlich Gelegenheit mit dem Minister über Themen zu sprechen, die uns auch als Verband wichtig sind – auf dem Flug saßen wir quasi durchgehend mit ihm zusammen.

Die deutsche Gründerszene mischt sich seit Kurzem stärker in die Politik ein, Ihr Verband versteht sich als Stimme der Startups. Welche Forderungen konnten Sie Rösler konkret mitgeben?
Ich habe ihm zum Beispiel unsere Idee für ein Gründer-Bafög vorgestellt. Wir haben darüber gesprochen, wie sich das Thema Entrepreneurship besser an Schulen verankern lässt und was wir tun können, um das negative Image von Unternehmern hierzulande zu korrigieren. Auch die deutsche Insolvenzordnung, die für Gründer nicht gerade attraktiv ist, war ein Thema. Und schließlich haben wir überlegt, wie die Politik mehr Wagniskapital in Deutschland verfügbar machen könnte – etwa indem sie die Bedingungen für ausländische Kapitalgeber verbessert oder es Lebensversicherern erleichtert, ihr Geld in Wagniskapitalfonds anzulegen.

Laut einer aktuellen Umfrage von infratest dimap sind die Deutschen mit Philipp Rösler so unzufrieden wie mit keinem anderen Spitzenpolitiker. Was macht Sie so sicher, dass die kurzfristig anberaumte Reise nach Kalifornien mehr war als eine Hau-Ruck-Aktion, um von der Imagekrise zuhause abzulenken?
Erstens zeigt Rösler schon seit längerem Interesse an der Gründerszene und hat beispielsweise den Beirat “Junge Digitale Wirtschaft” geschaffen, in dem wir in direktem Austausch mit ihm stehen. Zweitens hat Rösler vor Ort nicht locker gelassen, als es beispielsweise darum ging, den Facebook-Investor Peter Thiel zu überzeugen, sich stärker in Deutschland zu engagieren. Mein Einrduck war: Der bringt so viel Leidenschaft für das Startup-Thema mit, wie ich es sonst nur von Gründern kenne.

Im Mai will Rösler wieder ins Valley reisen – dann für mehrere Tage und imit einem Flugzeug voller Gründer. Eine gute Idee?
Ja, wir müssen die deutsche Gründerszene mit der amerikanischen und mit den Deutschen im Silicon Valley besser vernetzen. Das Interesse der deutschen Gründer an der Reise ist riesig – wir werden dem Ministerium deswegen vorschlagen, den Flieger mit einem transparenten Auswahlverfahren zu füllen und bieten uns dabei als Unterstützer an.

Die Reise ist für Internet-Startups gedacht und auch im Vorstand Ihres jungen Verbandes sitzen ausschließlich Gründer aus der Internetszene. Absicht?
Die Initiative zum Verband kommt zwar aus der Internetwirtschaft, aber wir sind branchenoffen. Zurzeit knüpfen wir Kontakte zu Startups aus den Bereichen Biotech und Healthcare. Viele Vorschläge, die wir mit Rösler besprechen, sind für alle Gründer relevant.

Florian Nöll ist Mitgründer des Berliner Startups Spendino. Seit Mitte vergangenen Jahres baut er zusammen mit anderen Internetgründern den Bundesverband Deutsche Startups auf, der sich als Sprachrohr der deutschen Gründerszene versteht.

Das offizielle PR-Video des Bundeswirtschaftsministeriums, das den Besuch Röslers im Valley zusammenfasst: