Das Münsteraner Start-up erhält 20 Millionen Euro von Investoren. Das frische Geld soll die Lieferwagen der Firma in zahlreiche deutsche Städte tragen.

Die Stellenbeschreibung ist deutlich: Nachdem man das Konzept der kurzfristigen Getränkelieferung nun in Münster, Köln und der Region Mannheim getestet habe, bereite man nun die Skalierung vor, heißt es in einer Anzeige auf der Flaschenpost-Homepage. Das Selbstbewusstsein des 2015 gegründeten Unternehmens wird dabei von einer umfangreichen Finanzierung gestützt: Wie das Handelsblatt (€) berichtet, erhält das in Münster beheimatete Start-up 20 Millionen Euro von Investoren. Neu zum Gesellschafterkreis kommt die portugiesische Familienholding SFMS, die an einer großen Einzelhandelskette beteiligt ist. Daneben erhöhen nach Angaben des Unternehmens auch die Alt-Investoren wie Cherry Ventures oder Vorwerk Ventures ihre Einlagen.

Ein Blick auf die Homepage zeigt, dass das junge Unternehmen ehrgeizige Wachstumspläne hat: Für insgesamt elf weitere deutsche Städte sucht Flaschenpost aktuell Personal, insbesondere Lagerlogistiker und Auslieferungsfahrer. Neben dem Ruhrgebiet wird beispielsweise auch für München, Stuttgart oder Leipzig gesucht. Das bescheidene Ziel: „Den Getränkehandel in Deutschland zu revolutionieren.“ Dabei war der eigene Start holprig: Nach drei Monaten Testphase in Münster musste Gründer Dieter Büchl eine Zwangspause von einem Jahr einlegen, weil er von Bestellungen überrannt wurde – und nutzte die Zeit, um Logistik und Verwaltung grundlegend neu aufzustellen.

Einfaches Geschäftsmodell, aufwendige Expansion

Das eigentliche Geschäftmodell von Flaschenpost ist dabei simpel: Das Unternehmen liefert kurzfristig – in der Regel innerhalb von zwei Stunden nach Bestellung – Getränke bis zur Wohnungstür. Nach eigenen Angaben auf der Homepage verarbeitet das Start-up heute bereits 1,2 Millionen Bestellungen im Jahr und liefert täglich 15.000 Getränkekisten aus. Das sorgt für einen hohen Kapitaleinsatz zu Beginn: Für den Sprung nach Köln etwa kalkulierte Flaschenpost mit zwei lokalen Lagern, bis zu 600 Mitarbeitern (überwiegend auf Minijobbasis) sowie 150 Lieferwagen.

Mit ähnlichen Wachstumsambitionen war auch ein Berliner Konkurrent unter dem Markennamen Trinkkiste.de angetreten. In das Start-up hatten unter anderem auch der High-Tech Gründerfonds sowie Privatinvestoren sechsstellige Summen investiert. Nach Recherchen des Portals NGIN Food hat sich das Unternehmen jedoch aus den meisten Liefergebieten zurückgezogen und arbeitet aktuell mit einem Rumpfteam an einer neuen Strategie.