Banken spüren die Attacke von Finanz-Start-ups in allen Geschäftsfeldern, zeigt eine Studie. Die Antwort der großen Institute: Mehr Zusammenarbeit.

64 Prozent der großen deutschen Finanzinstitute arbeiten in irgendeiner Form mit Fintechs zusammen – sei es durch eine Kooperation, die eigene Gründung eines Start-ups oder dem Kauf eines jungen Tech-Unternehmens. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der Beratung Sopra Steria mit dem FAZ-Institut, für die 109 Vertreter großer deutscher Banken befragt wurden. Die Zusammenarbeit wird dabei langsam enger: Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 61 Prozent.

„Fintechs vervollständigen die neue strategische Ausrichtung der Banken“, urteilen die Studienautoren.Die verstärkte Kooperation erfolgt jedoch keineswegs aus reiner Neugier. Viele Banken spüren, dass ihre etablierten Geschäftsmodelle von vielen Seiten angegriffen werden. „Die Digitalisierung ermöglicht Newcomern, altbewährte Geschäftsmodelle im Banking in Frage zu stellen und sich mit neuen Technologien eine immer größer werdende Marktmacht zu sichern“, heißt es in der Studie.

Einige Fintechs setzen dabei ganz bewusst auf die Kooperation und positionieren sich auch als Dienstleister für Banken. Authentifizierungs-Dienste wie IDNow oder Open-Banking-Plattformen wie Deposit Solutions verdienen gutes Geld mit Banken, die dank der Fintechs wiederum ihre Angebote erweitern können.

Attacke auf die Unternehmenskunden

Lange drängten daneben vor allem digitale Direktbanken ins Licht der Öffentlichkeit. Neu gegründete Institute wie die Fidorbank oder N26 werben mit Banking auf dem Smartphone und müssen kein teures Filialnetz unterhalten. Hier ist die Konkurrenz offensichtlich – zumal die etablierten Institute laut Sopra-Steria-Studie die Neukundengewinnung ganz weit oben auf ihrer Agenda ansiedeln.

Weniger im Fokus der Öffentlichkeit standen jedoch auch Leistungen der Geschäftsbanken, auf die sich Start-ups spezialisieren. In dieser Woche etwa starte die Solarisbank eine Zusammenarbeit mit Crosslend – ab kommenden Jahr sollen Kredite dort digital verbrieft und gehandelt werden. Auch im Bereich der Kreditvermittlung sind Fintechs unterwegs. Hier profitieren Geschäftsbanken häufig noch von einem Vertrauensvorschuss – doch die Finanz-Start-ups mühen sich mit zunehmendem Erfolg um Unternehmenskunden.

Nicht alle Angebote lassen sich jedoch klar in eine der drei Kategorien einordnen. Der Markt der Finanz-Start-ups dürfte also weiterhin in Bewegung bleiben. Zwar geben immerhin 22 Prozent der in der Studie befragten Finanzinstitute an, keine Fintech-Pläne zu hegen. Jede dritte befragte Bank jedoch plant eine eigene Fintech-Gründung, jede vierte eine Kooperation oder einen Kauf.