Finanz-Start-ups suchen häufig die Kooperation mit etablierten Unternehmen, zeigt eine Studie. Banken und Versicherungen sind dabei nicht die einzig möglichen Kontakte.

Fintech mit Bank, Fintech mit Versicherung, Fintech mit Handesunternehmen: Kaum ein Start-up-Zweig setzt so aktiv auf Kooperationen aller Art wie Digitalunternehmen aus der Finanzbranche. Bis zu 500 neue Kooperationen pro Jahr zählt die Beratungsgesellschaft PwC in einer aktuellen Studie (hier geht es zum PDF). „Die Komplexität des Fintech-Kooperationsnetzwerkes explodiert“, heißt es in dem Bericht.

Dabei hat sich dieser Wert alleine in den vergangenen vier Jahren annähernd verzehnfacht. Für 2017 zählen die Studienautoren 507 neue Zusammenarbeiten, für dieses Jahr bis Ende Juli knapp 300. In etwa zwei Drittel der Fälle besteht nach der Definition von PwC eine tatsächliche operative Zusammenarbeit, aber auch Finanzierungen jeder Art und andere Unterstützungen fließen in die Erhebung ein. Manchmal sind die Grenzen hier auch fließend: Cringle kooperierte etwa bis zu seiner Insolvenz mit der DKB – und schlüpfte kurz danach mit Team und Produkt komplett bei der Bank unter.

Dank Kooperationen schneller zu mehr Kunden

Diese Zahlen zeigen zweierlei: Zum einen die große Bedeutung, die vielfältige Kooperationen für die Finanz-Start-ups haben. Häufig sind Robo-Adviser, Vermögensverwaltungen oder Wechselservices von vorneherein auf die Skalierung angelegt – und die lässst sich deutlich leichter durch die Zusammenarbeit mit etablierten Marktteilnehmern erreichen, die in aller Regel eine große Kundenbasis mitbringen. Manche Start-ups fahren dabei eine Doppelstrategie: Zum einen werben sie unter einer eigenen Marke direkt um Kunden, zum anderen lizensieren sie ihre Produkte für Banken, die nach neuen Services für ihre Kunden suchen – Beispiel sind etwa die Tagesgeld-Plattformen Raisin oder Deposit Solutions.

Zum anderen zeigt sich, das Fintechs nicht nur auf die Finanzbranche beschränkt sind: Kooperationen können auch mit Medienkonzernen, IT-Unternehmen oder dem Immobiliensektor Sinn machen, wie die PwC-Untersuchung zeigt. Auch hier geht es überwiegend um zusätzliche Dienstleistungen für deren Kunden. Ein Beispiel ist hier die Zusammenarbeit des Berliner Fintechs Grover mit dem Elektronikhändler Mediamarkt.

Die Studie belegt jedoch: Wichtigster Ansprechpartner für die Finanz-Start-ups sind in erster Linie immer noch Banken und Versicherungen. Auf sie entfällt der Großteil aller registrieren Kooperationen. Lokal dominieren dabei die Netzwerke der alten Wirtschaft: Der Bankenhauptstadt Frankfurt, die sich aktuell auch um den Titel der Fintech-Hauptstadt bemüht, rechnen die Studienautoren mit Abstand die meisten Kooperationen zu. Als aktivste Institut macht die Studie dabei die Commerzbank aus. Dahinter folgt die Versicherungsmetropole München – Heimat der überaus aktiven Munich Re und der Allianz – auf dem zweiten Rang. Mit einigem Abstand dann folgt Berlin.