FinTechs gelten als das nächste große Ding. Dabei wird häufig vergessen: Nicht nicht jedes Start-up hat das Zeug zum Banken-Killer.

Ein Gastbeitrag von Sven von Loh

Wer sich derzeit mit technologiegetriebenen Startup-Unternehmen beschäftigt, kommt an FinTechs kaum vorbei. Neue, digitale Lösungen für mobiles Bezahlen (Mobile Payment) hier, die Automatisierung der Anlageberatung per so genanntem „Robo Advisor“ da, die Kreditvergabe mittels Peer-to-Peer und „Crowdlending“ dort – angeblich revolutionieren diese neuen, innovativen Geschäftsmodelle die Finanzbranche und machen die klassischen Banken innerhalb weniger Jahre überflüssig.

Warum dieser Hype? Die Gründe sind vielfältig. Auf Kundenseite überzeugen sie oft mit einfacher und intuitiver Handhabung – etwas, das den klassischen Banken bislang noch nicht einmal beim Online-Banking gelungen ist, bei Apps erst recht nicht. Außerdem sind auch die Kundenservicelösungen der FinTechs in der Regel näher am Nutzer als die der etablierten Kreditinstitute. 

Auf Seiten der Investoren ist die Begeisterung für FinTechs deutlich rationaler. Sie sehen einen milliardenschweren Markt, der bislang kaum digitalisiert ist. Wer hier einen Treffer landet, der hat gute Aussichten, sein investiertes Geld vielfach zurückzubekommen.

Die Zahlen hinter dem Hype

Ein genauerer Blick auf die FinTech-Szene zeigt jedoch: Auch in diesem Segment ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Man sollte sich deshalb die Geschäftsmodelle und die Entwicklung der einzelnen Unternehmen sehr genau ansehen, bevor man einer ganzen Branche den buchstäblichen Ritterschlag erteilt. Denn blickt man auf die Zahlen hinter dem Hype, dann macht sich schnell Ernüchterung breit: Zwar haben einige Unternehmen bereits eine ordentliche Anzahl an registrierten Nutzern – Umsatz jedoch machen sie kaum, Gewinne ebenfalls nicht.

Die Probleme und Risiken der FinTech-Szene sind vielfältig. Zum Teil mangelt es ganz banal an einem tragfähigen Geschäftsmodell – oder die Entwicklung läuft am tatsächlichen Bedarf der Zielgruppen vorbei. 

Andere Startups wiederum entwickeln Services und Produkte, bei denen etablierte, konventionelle Finanzdienstleister relativ schnell und problemlos mit vergleichbaren, teils sogar besseren Angeboten nachziehen können. Damit entfällt aus Kundensicht jedoch der Grund, überhaupt einen Wechsel zum FinTech in Betracht zu ziehen.