Finanzinstitute beschäftigen sich intensiv mit jungen Angreifern, zeigt eine Studie. Zusammenarbeit wird dabei Alltag – Übernahmen sehen viele Banken skeptisch.

Lange wurde über die neue Welt geschmunzelt, mittlerweile haben Finanzinstitute sie genau im Blick: 82 Prozent der etablierten Finanzinstitutionen in Deutschland verfügen über eine Digitalisierungsstrategie. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der Unternehmensberatung Sopra Steria mit dem F.A.Z.-Institut.

Um an Tempo bei digitalen Lösungen zu gewinnen, lassen viele Banken dabei schnelle Beiboote zu Wasser: 27 Prozent der 103 teilnehmenden Banken haben bereits selbst ein Fintech gegründet – als selbstständige und abgegrenzte Digitaleinheit oder als komplett losgelöste Marke. Beispiele dafür sind etwa die Digitalfabrik der Deutschen Bank oder der Main Incubator der Commerzbank.

Weit verbreitet für das operative Geschäft ist mittlerweile auch die Zusammenarbeit mit Start-ups. 61 Prozent der befragten Banken kooperieren in irgendeiner Form mit Fintechs. Einige der jungen Dienstleister sind schon als Partner akzeptiert.

Kurzfristige Kooperationen bevorzugt

Gerade einmal 16 Prozent der Bankentscheider berichten dagegen von umgesetzten Übernahmen. „Viele Fintechs werden im Markt sehr stark bewertet. Ein Aufkauf bedeutet hohe Investitionen zur Weiterentwicklung. Dazu kommt die schwierige Integration beider Unternehmenskulturen“, sagt Stefan Lamprecht, zuständig für den Bereich Banking bei Sopra Steria.

Nach Angaben der Befragten sehen viele Finanzvertreter durch eine Übernahme mehr Risiken als Chancen – eine Kooperation hingegen sei in dem sich schnell wandelnden Markt vielversprechender: „Es ist ungewiss, welche Produkte sich letztendlich durchsetzen und vom Kunden akzeptiert werden. Mit Kooperationen sind kurzfristige Wechsel der Anbieter und der Technologien je nach Marktentwicklung steuerbar”, sagt Lamprecht.

Das passt zu den Zahlen, die das amerikanische Marktforschungsinstitut CB Insights jüngst veröffentlicht hatte: Demnach stammt nur etwas mehr als ein Viertel des Beteiligungskapitals an Fintechs in Europa von Unternehmen aus dieser Branche – der weit überwiegende Teil stammt von Venture-Capital-Gesellschaften.