Start-up-Hauptstadt ist Berlin, FinTech-Hauptstadt ist Frankfurt. Es wäre schön, wenn das so bleibt. Aber die Realität sieht anders aus.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute ist wieder Julian Heck dran. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und beleuchtet die boomende Fintech-Branche.

Von Julian Heck

Schade! Berlin ist zwar eine tolle Stadt mit viel Potential für junge, motivierte Gründer, kaum woanders lassen sich besser und leichter Kontakte knüpfen als in der Hauptstadt. Aber als gebürtiger Darmstädter habe ich mich sehr gefreut, dass mit dem Thema FinTech eine Branche entsteht, die natürlich nirgends besser als mitten in die Finanzmetropole Frankfurt passt. Endlich mal nicht Berlin, nicht Hamburg und nicht Köln, sondern Frankfurt.

Meine Hoffnungen hat auch die Commerzbank geteilt: Im Herbst letzten Jahres verkündete sie lautstark, sie wolle Frankfurt zum FinTech-Valley machen. Der main-incubator, die Veranstaltungsreihe „Between the Towers“ und andere Versuche sollten Frankfurt als Metropole für FinTechs platzieren. Die Stadt im Herzen des Rhein-Main-Gebiets bietet sich auch prima an – allein die Nähe zum restlichen Banken-Sektor dürfte für die FinTech-Start-ups attraktiv gewesen sein. Schließlich geht nicht nur die Commerzbank, sondern es gehen auch andere Banken auf Kuschelkurs mit den jungen Wilden. Die Zusammenarbeit von Start-ups mit den alten Damen des Finanz-Sektors ist keine Ausnahme mehr, sondern bei vielen Geschäftsmodellen von Start-ups von Anfang an vorgesehen. Frankfurt scheint der ideale Ort dafür zu sein, die alteingesessene Finanzstadt zu verjüngen und zu digitalisieren. Es könnte so schön sein, wenn da nicht…

Es zieht immer mehr FinTech-Start-ups nach Berlin. Radoslav Albrecht, selbst FinTech-Gründer, sagte neulich auf einer Veranstaltung in der Hauptstadt, dass London das Mekka der FinTechs sei, aber Berlin „günstiger und insbesondere für die FinTech-Szene attraktiv“ ist. Das liege vor allem daran, dass „sich hier gutes und auch internationales Personal gewinnen lässt“.