Die Immobilieninvestmentbranche gilt als exklusiv und intransparent. Wie Thomas Schneider das Geschäft einfacher und für jedermann zugänglich machen will.

Von Sola Hülsewig

WirtschaftswocheGründer: Herr Schneider, Sie haben als Investmentbanker bei verschiedenen großen Unternehmen gearbeitet, unter anderem bei Lehman Brothers. Was hat Sie dazu bewegt, sich umzuorientieren?
Thomas Schneider: Freunde haben mich häufig gefragt: Was machst du eigentlich? Weil ich das nicht immer aufs Neue erklären wollte, habe ich manchmal salopp gesagt: Ich mache reiche Leute noch reicher. Ich habe im Immobilienbereich gearbeitet und ständig Top-Deals vermittelt – professionell, transparent, mit fairen Gebühren. Ich hätte da auch wahnsinnig gerne privat investiert. Dass nur die sehr wohlhabenden Menschen die Möglichkeit haben, sinnvoll in Immobilien zu investieren, fand ich schon damals merkwürdig.

Warum ist dieser Markt so exklusiv?
Wenn Sie vergleichsweise kleine Beträge von fünf- oder zehntausend Euro in Immobilien investieren wollen, sind Ihre Möglichkeiten begrenzt: Sie können sich entweder an offenen oder geschlossenen Immobilienfonds beteiligen. Bei kleinen Investmentbeträgen fressen die hohen Gebühren die mögliche Rendite aber ganz schnell auf. Bei BrickVest können Kunden hingegen mit kleinen Beträgen ab 1000 Euro in Immobiliengeschäfte investieren – sie bekommen aber dieselben Konditionen wie die Profis, die in der Regel mit fünf bis zehn Millionen oder mehr dabei sind.

Die Immobilien-Investmentbranche gilt nicht gerade als Paradebeispiel für technologische Weiterentwicklung. Woher kommt das mangelnde Interesse an einer Veränderung?
Die Immobilienbranche ist unglaublich altbacken und kaum technisiert. Das einzige, was man dort online machen kann, ist, sich ein paar Broschüren von Maklern anzusehen. Ansonsten wird dort alles so gemacht wie vor 50 Jahren. Ich denke, dass die Branche bewusst darauf verzichtet hat, sich zu modernisieren. Die Intransparenz hat ihr ja bislang sehr hohe Gewinne beschert. Die hohen Gebühren konnten sich nur durchsetzen, weil wer in Immobilien investieren will, nicht an Banken vorbeikommt. Der Immobilieninvestmentmarkt ist definitiv bereit für einen Umbruch. Und wenn das Geschäftsmodell von BrickVest Erfolg hat, werden viele Banken und Mittelsmänner weniger Geld verdienen, weil der Markt effizienter wird.

Wie laufen Geschäfte denn bisher am Investmentmarkt ab?
Das ist ein extrem ineffizienter und intransparenter Prozess. Der Marktwert eines Immobilien-Investmentbankers definiert sich zum Beispiel auch dadurch, wie viele Leute er aus der Branche kennt. Mit diesen Leuten trifft er sich und kommt über das persönliche Gespräch an Deals heran, die für ihn sonst im Verborgenen geblieben wären. Anschließend kann er sie gebührenpflichtig an seine Kunden weitervermitteln. Durch eine Plattform wie BrickVest verlieren die alten Mittelsmänner jedoch ihre Monopolstellung. Das ist gut für Kleinanleger, dürfte die Betroffenen aber nicht erfreuen.