Schneller Start, große Ziele: In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute: Welche neuen Gesetze Finanz-Start-ups helfen könnten.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute berichtet Sebastian Schäfer aus dem Techquartier, Sitz des Fintech Hubs Frankfurt.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Der Buy-In, das heißt die Geschwindigkeit der Mobilisierung und Abstimmung zwischen den Beteiligten rund um das Konzept. Man sagt, das wichtigste ist Timing und die Tauglichkeit on Produkt und Markt. Dieser Grundsatz galt für uns angesichts der Lücke, die unsere Plattform schon im Dezember 2016 für Frankfurt geschlossen hat. Die Geschwindigkeit, mit der das Ökosystem gewachsen ist, und der gute Ruf, den es sich erarbeitet hat, sind besser als wir uns erhofft haben.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Die Veränderung der Wahrnehmung und von Stereotypen: Aus internationaler Perspektive wird Frankfurt immer noch als die Bankenstadt gesehen. Es ist eine Tatsache, dass es in erster Linie eine Finanzmetropole ist, aber Frankfurt ist darüber hinaus ein großartiger Ort zum Leben und hat das dichteste Fintech-Ökosystem der Welt. Auch das sind Fakten über Frankfurt, die jedoch von den Meisten nicht wahrgenommen werden.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Das Fintech-Drehkreuz musste in der Finanzhauptstadt Deutschlands liegen, es gab keine andere Wahl. Während Berlin hinsichtlich der reinen Anzahl von Start-ups längst der Spitzenreiter ist, sind die B2B-Kunden von Fintechs hier. Diese Eigenschaft, Frankfurt als Sitz der Finanzaufsicht BaFin und der Europäischen Zentralbank, sowie die Nähe und Komplementarität zum CyberSecurity Hub in Darmstadt machte Frankfurt zu einer logischen Wahl.

Und auf welche Region blicken Sie neidisch?
Israel, wegen des vorherrschenden Unternehmergeistes und der Dichte an Gründern pro Kopf, mit denen es weltweit Spitzenreiter ist. Es wird nicht ohne Grund „Start-up Nation“ genannt. Dabei zählen die Vernetzung der verschiedenen Akteure innerhalb des Ökosystems, bei der auch die öffentliche Verwaltung und das Militär miteinbezogen ist, und ihre internationale Ausrichtung zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Start-ups in Israel denken von Tag eins an über internationale Skalierbarkeit nach und zögern dabei nicht, mit ihren Ideen auch ins Ausland zu gehen, um sie dort zu validieren. Wir ermutigen unsere Startups es ihnen gleich zu tun. Ich würde aber weniger von „beneiden“ sprechen, sondern mehr davon, dass wir Israel in dieser Hinsicht bewundern und von ihm lernen. Darüber hinaus, halten wir nichts davon, eine andere Start-up-Kultur oder ein anderes Ökosystemmodell zu kopieren. Wir bauen unsere eigenen.

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Welches neue Gesetz würde helfen?
Sandboxing sollte in Deutschland eingeführt werden. Solche Rahmenbedingungen würden regionalen und internationalen Fintechs eine kontrollierte Umgebung anbieten, in der sie neue Lösungen an echten Kunden testen können. In vielen führenden Ökosystemen hat sich dieser Ansatz, bei der Generierung von Innovationen und der Beschleunigung des Marktzugangs, bewährt, während gleichzeitig Verbraucherrechte geschützt und Vorschriften an den technologischen Fortschritt angepasst werden. Bisher bietet in Europa, neben dem Vereinigten Königreich, nur Dänemark und die Niederlande solche Rahmenbedingungen an. Es gibt hier also eine Chance für Deutschland diese Gelegenheit zu nutzen. Zudem hat im letzten September die EU Richtlinien für den Entwurf von solchen Sandboxes vorgeschlagen. Wir hoffen, dass damit eine Entwicklung in diese Richtung in Gang gesetzt wird.

Thema Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Wir glauben fest an Zusammenarbeit als Motor für Innovation – also sagen wir definitiv ersteres. Die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Unternehmen ist auf einem historischen Höchststand, wie wir im Techquartier aufgrund unserer Rolle als Matchmaker jeden Tag erleben. Aber am Ende des Tages gilt, „business is business“. Wenn man sich zum Beispiel High-End-Tech-Talente ansieht, ist es definitiv eher ein Wettbewerb zwischen dem, was Start-ups anbieten können (die Möglichkeit, etwas aufzubauen, viel Verantwortung zu übernehmen und Tag für Tag zu lernen) und dem, was größere, etabliertere Unternehmen können (Ruf, Sicherheit, bessere Gehälter usw.).

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich?
Künstliche Intelligenz. Frankfurt hat gerade einen eigenen AI-Hub gestartet, der im TechQuartier betrieben wird und sich auf Anwendungen im Finanzsektor konzentriert. Mit der AI-Ausgabe unseres Growth Alliance Fintech-Programms Ende November arbeiten wir derzeit daran, den Inhalt und die Promotion dieses Hubs aufzubauen.