Das Factoring-Start-up erhält zehn Millionen Euro von neuen und bestehenden Investoren. Damit soll nicht nur der bislang stärkste Markt Polen weiter wachsen.

Millionen aus Osteuropa: Mit dem tschechischen Private-Equity-Investor ENERN und Kulczyk Investments, der Vermögensverwaltung einer der wohlhabendsten polnischen Familien, kann das Berliner Factoring-Fintech Finiata zwei neue Investoren begrüßen. Die beiden Geldgeber sind ebenso wie die bereits bestehenden Investoren DN Capital, Point Nine, Fly Ventures und Redalpine an der aktuellen Finanzierungsrunde beteiligt.

Finiata kann somit kurz vor Jahresschluss zehn Millionen Euro an neuem Eigenkapital einsammeln. Dazu kommen weitere acht Millionen Euro an Fremdkapital, das von Banken und weiteren Family Offices gestellt wird. „Unsere neuen Investoren sind sehr hilfreich für unsere Vision, da sie uns über den üblichen VC-Mehrwert strategisch und operativ in unseren Zielmärkten Wettbewerbsvorteile verschaffen“, sagt Finiata-Gründer Sebastian Diemer, der zuvor Kreditech mit aufgebaut hatte.

Das neue Geld soll dazu dienen, das noch recht junge Start-up weiter wachsen zu lassen. Finiata verspricht, ausstehende Rechnungen von Freiberuflern und kleinen Unternehmen vorzufinanzieren. Ein Algorithmus soll dabei helfen, schnell und automatisiert einschätzen zu können, wie hoch das Ausfallrisiko eines Schuldners ist.

Marktführer in Polen

Neben Deutschland will sich Finiata dabei im kommenden Jahr vor allem auf den polnischen Markt fokussieren. „Nirgendwo sonst ist die Nachfrage nach Rechnungsvorfinanzierung so hoch“, teilt das Start-up gegenüber WiWo Gründer mit – nach eigenen Angaben sei man in Polen bereits drei Monate nach dem Start zum Marktführer aufgestiegen. „Die ausschlaggebenden Faktoren sind die starke Position auf dem polnischen Markt sowie ein sehr gutes Management“, sagt Neu-Investor Sebastian Kulczyk – und sieht Wachstumsmöglichkeiten: „Finiata ist ein Projekt mit weltweitem Potenzial.“

Das Start-up war im Oktober 2016 unter dem Markennamen bezahlt.de gestartet und hatte nach eigenen Angaben in der ersten Zeit etwa 8000 Kunden bedienen können. In diesem Sommer dann wechselte Gründer Diemer den Namen aus: Mit der Marke Finiata wollte man leichter den internationalen Markt bearbeiten können, was im Falle von Polen auch zu gelingen scheint. Doch nicht alle Kunden blieben an Bord: Heute spricht das Fintech von 5000 Kunden auf dem Portal, monatlich kämen jedoch „Neukunden im dreistelligen Bereich hinzu, Tendenz steigend“, wie das Start-up gegenüber WiWo Gründer mitteilte. Zum Team gehören über 50 Mitarbeiter, die in Berlin sitzen.