Der Anbieter für Rechnungsvorfinanzierungen benennt sich um – und nimmt neue Märkte ins Visier. Zunächst expandiert das Berliner Start-up nach Polen.

Bezahlt.de, ein Anbieter für Rechnungsvorfinanzierungen, heißt ab sofort Finiata. Mit dem neuen Namen will das Berliner Start-up nun international durchstarten: Erster ausländischer Markt für Finiata ist Polen. Die Gründer um CEO Sebastian Diemer haben dazu eine Zusammenarbeit mit Infakt, einem Anbieter für Buchhaltungs- und Rechnungsdienstleistungen vereinbart. Weitere Länder in Europa sollen folgen, bis Ende 2018 will Finiata in mindestens fünf Märkten aktiv zu sein.

Gestartet war das Start-up, das bisher als Blackbill Internet GmbH firmiert, im vergangenen Jahr. Es bietet Freiberuflern, Selbstständigen und mittelständischen Unternehmen an, ausstehende Rechnungen vorzufinanzieren. Es handelt sich quasi um einen kurzfristigen, günstigen Kredit, der mit Bezahlung der Rechnung zurückgezahlt wird. Dieses so genannte Factoring ist klassischerweise großen Unternehmen vorbehalten.

Mit der Idee eines „Micro-Factorings“ konkurriert Finiata in Deutschland unter anderem mit Pagido und Fundflow – beide ebenfalls in Berlin ansässig. International sieht Diemer große Wachstumschancen: „Das Potenzial ist riesig: Der Markt, den wir bedienen, existiert aktuell gar nicht, obwohl Factoring in Europa 2016 unglaubliche 1,5 Billionen Euro Umsatz erwirtschaftet hat. Je kleiner beziehungsweise jünger das Unternehmen, desto weniger aussichtsreich sind die Chancen einen Kredit, Factoring oder Kontokorrentkredit zu bekommen.“

Stark schwankende Nutzerzahlen

Gegenüber WirtschaftsWoche Gründer erklärt Diemer, warum er als ersten Schritt für die Internationalisierung das Nachbarland im Osten gewählt hat: „Polen ist ein sehr großer und stark wachsender Factoringmarkt sowie einer, mit einer modernen, innovativen Infrastruktur.“ So seien etwa Echtzeitüberweisungen etabliert, zudem gebe es eine hohe elektronische Datenverfügbarkeit. „Gleichzeitig merken wir, dass es in Polen kaum gute Angebote in dem Bereich für KMU und Freelancer gibt.“

Seit der Gründung hat Finiata eigenen Angaben zufolge 8.000 Kunden zu mehr Liquidität verholfen. Pro Monat erziele man ein Kundenwachstum von über 20 Prozent. Die monatlichen Nutzerzahlen schwankten aber zum Teil stark, bestätigt Diemer auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Knapp die Hälfte der Kunden nutze Finiata regelmäßig, um ihre Rechnungen sofort bezahlen zu lassen.

Der neue Name ist angelehnt an die traditionellen piñatas aus Lateinamerika. Das sind kleine Figuren, die mit Süßigkeiten und Spielzeug gefüllt sind. An Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten versuchen Kinder mit verbundenen Augen diese Figuren zu zerschlagen. Als Belohnung winkt dann der Inhalt. „Finiata ist das bunte Einhorn, das Unternehmern den verdienten Lohn für ihre harte Arbeit in Form von einfacher, schneller und günstig verfügbarer Liquidität zur Verfügung stellt”, erklärt Diemer.

Er hatte zuvor bereits das Fintech Kreditech aufgebaut. Im Rahmen einer Seed-Finanzierungsrunde hat Finiata im Januar 5,5 Millionen Euro eingesammelt. Zu den Investoren zählen unter anderem Point9 Capital, Fly.vc, LaFamiglia, Michael Brehm und Heiko Hubertz. Finiata arbeitet in Deutschland aktuell mit Fastbill und Debitoor zusammen. Weitere Partnerschaften sind für 2017 angekündigt. Welche genau das sind, will Diemer noch nicht verraten. Nur so viel: „Wir sind in Verhandlungen mit einem großen deutschen Rechnungsdienstleister.“