Das Münchener Start-up bietet individuelle Reisen an. Künstliche Intelligenz soll den menschlichen Beratern dabei künftig viel Arbeit abnehmen.

Automatisiert individuelle Reisen anbieten: Daran arbeitet Fineway. Das Münchener Start-up entwickelt derzeit einen „Travelbot“, der Präferenzen von Kunden abfragt und diesen erste Reisevorschläge unterbreitet. Dabei kommt künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Zur Weiterentwicklung seiner Technologie hat Fineway nun sieben Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von Bayern Kapital – dem Technologie-Wagniskapitalgeber der LfA Förderbank Bayern. Beteiligt sind zudem Axel Springer und die Verlagsgruppe MairDumont sowie mehrere Family Offices.

„Das neue Kapital ermöglicht uns, unser Machine-Learning-Team deutlich aufzustocken“, erklärt Markus Feigelbinder, COO des Start-ups, WirtschaftsWoche Gründer. Das Recruiting laufe auf Hochtouren – KI-Experten sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit extrem gefragt. Aktuell beschäftigt Fineway 50 Mitarbeiter und kommt insgesamt auf ein Finanzierungsvolumen von neun Millionen Euro.

Feigelbinder hat das Unternehmen 2015 zusammen mit Markus Bohl als „Travel Design Service für anspruchsvolle Reisende“ gegründet. Im Zentrum steht dabei die Plattform Fineway.de, über die Nutzer individuelle Reisen zusammenstellen lassen. Bisher fragen dabei menschliche Berater Wünsche ab und entwickeln im Gespräch mit den Kunden Schritt für Schritt einen Vorschlag. Künftig soll das in Teilen der Bot übernehmen.

Keine Unterhaltungen aus der Konserve

Dieser werde sich deutlich unterscheiden von bestehenden Angeboten in der Branche, verspricht Feigelbinder. Neben anderen experimentieren etwa der Pauschalreiseanbieter Ltur und die Fluggesellschaft Lufthansa bereits mit Chatbots. „Im Grunde wird bisher immer ein Formular abgefragt“, sagt Feigelbinder. „Das bringt dem Kunden aber wenig Mehrwert.“ Das Ziel von Fineway: Statt vorgegebene Antworten auszuspucken, soll der Travelbot flexibel auf den Nutzer eingehen. Dafür würden über 250 explizite und implizite Datenpunkte genutzt –  darunter spezifische Angaben wie Reisemotiv oder -stil.

Zum Training der Algorithmen kommen unter anderem die Daten zum Einsatz, die das Start-up über seine Endverbraucherplattform gesammelt hat. „Von der vagen Idee bis zur Buchung vergehen bisher oft mehrere Wochen“, sagt Feigelbinder. „Der Bot kann vor allem dabei helfen, die Rahmendaten für eine Reise festzulegen.“ Hat der Kunde beispielsweise die Idee, Südafrika zu entdecken, kann der Bot direkt Feedback zur besten Reisezeit geben und Vorschläge zu passenden Zielen, Aktivitäten und Routen machen. Ein Teil der Fineway.de-Kunden könnten ab Januar bereits mit der Technik in Berührung kommen. Geplant sei zunächst der Test mit einem Modul, das bei der Unterkunftsauswahl hilft, kündigt der COO an.

Technik soll auch für andere Portale interessant sein

Die Automatisierung soll Fineway.de helfen, effizienter zu werden. Geld verdient das Start-up wie ein klassischer Reiseveranstalter mit Aufschlägen zu eingekauften Leistungen wie Führungen oder Hotelübernachtungen. Die Preise der einzelnen Bestandteile sollen aber dennoch nicht höher sein als die, die Nutzer eigenständig im Netz finden.

Die Bot-Technik wollen die Münchener indes nicht auf das eigene Portal beschränken. Bewähren sich die Algorithmen, könnten sie künftig auch auf anderen Portalen zum Einsatz kommen. Feigelbinder verweist in dem Zusammenhang darauf, dass auch Expedia im Kreis der Berater vertreten ist. Folgerichtig positioniert sich das Start-up in der Außendarstellung zunehmend als Tech-Unternehmen, das Lösungen für die Reisebranche entwickelt.