Unternehmen können sich Geld im Internet leihen oder Forderungen verkaufen. Möglich machen das neue digitale Finanzdienstleister.

Von Mark Fehr

An seinen Auftrag von ZF Friedrichshafen erinnert sich Jan Wabst besonders gern. Nicht nur, weil der Ausstellungsbau für das Firmenmuseum zum Jubiläum des weltbekannten Autozulieferers für seine 30-Mitarbeiter-Firma Seiwo Technik in Drebach bei Chemnitz ein schöner Großauftrag war. Sondern auch, weil die Vorfinanzierung des Projekts mit 440 000 Euro einfacher zu bekommen war als der Auftrag – meist ist es umgekehrt.

Bei der Suche nach einem Überbrückungskredit wurde Wabst nicht direkt bei einer Bank fündig, sondern beim Finanzportal Compeon, das seine Dienste seit Juni 2013 im Internet anbietet. Compeon vermittelt Bankkredite an Firmenkunden und erhält dafür von dem Institut eine Provision. Für Kreditnehmer ist der Service kostenlos.

Compeon ist eine jener jungen Internet-Firmen, die sich mit dem Etikett FinTech (für Financial Technology) schmücken, sich also der Digitalisierung von Finanzgeschäften verschrieben haben. Das Beispiel des sächsischen Ausstellungs- und Museumsbauers zeigt, dass Geldgeschäfte im Internet auch etwas für Unternehmer sind, die sich über langsame und teure Banken ärgern.

Die FinTechs wollen das traditionelle Geldgewerbe mit billigerem und schnellerem Service aufmischen. Möglich machen das digitale Innovationen, die es den Marktneulingen erlauben, ihre Dienste mit wenigen Mitarbeitern und ohne Filialen überall und rund um die Uhr anzubieten. So zumindest werben sie für sich.

Wie viel Nutzwert steckt dahinter? Die WirtschaftsWoche hat sich bei kleinen und mittelständischen Unternehmern wie dem Sachsen Wabst umgehört, die digitale Finanzdienste getestet haben oder darüber nachdenken. Das Ergebnis stimmt hoffnungsvoll: In Nischen wie bei kleinen und mittelgroßen Krediten – bis zu einer halben Million Euro – gelingt es den Angreifern schon ganz gut, Transparenz in den Markt zu bringen oder die Banken sogar ganz aus dem Geschäft zu drängen. Gleiches gilt für den Verkauf von Lieferantenforderungen und geplatzten Rechnungen.