Immer weniger Start-ups setzen auf Crowdinvestment als Finanzierungsquelle. Dabei hat die Schwarmfinanzierung keineswegs generell an Attraktivität verloren.

Start-ups sammelten im vergangenen Jahr weniger Geld über Crowdinvestment ein. Die Gesamtsumme sank um sieben Prozent auf 15,8 Millionen Euro. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 17 Millionen Euro, zeigt der aktuelle Crowdinvestment-Monitor des Portals Für-Gründer.de, der heute veröffentlicht wurde. In den Jahren zuvor bewegte sich die eingeworbene Summe in einer ähnlichen Größenordnung wie 2013 und 2014 – damit stagniert die einst gefeierte Finanzierungsform aktuell auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

In den vergangenen Monaten hatten vor allem Rückschläge von crowdfinanzierten Projekten für Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt musste Protonet Insolvenz anmelden. Das Hamburger Start-up hatte noch 2014 eine Rekordsumme von 3,2 Millionen Euro einsammeln können. Kurz zuvor hatte der Hotelvermittler TripRebel ein ähnliches Schicksal erlitten. Das Crowdinvestment, bei dem in der Regel Privatanleger kleinere Summen investieren, bietet die Möglichkeit für Start-ups, unkompliziert Geld einzuwerben und damit oft auch noch unfertige Produktideen einem ersten Markttest zu unterwerfen und sie vorzufinanzieren. Bei einer möglichen Rückzahlung oder auch bei späteren Finanzierungsrunden kann die Schwarmfinanzierung die Start-ups allerdings vor große Probleme stellen. Anleger wiederum erhoffen sich davon hohe Renditen, riskieren aber auch den Totalverlust ihres Investments. Verbraucherschützer warnen davor, leichtfertig zu hohe Summen in Unternehmen zu stecken, die noch nicht viel mehr als eine interessante Idee vorweisen können.

Mit neun Millionen Euro wurde das meiste Kapital über die Plattform Companisto vermittelt, die zweitplatzierte Plattform Seedmatch kommt nach den Auswertungen von Für-Gründer.de auf weniger als die Hälfte dieses Wertes. Im Durchschnitt steckten Kleinanleger im vergangenen Jahr pro Crowdinvestment 377.000 Euro in ein Start-up, zeigen die Zahlen des aktuellen Monitors. 42 Projekte wurden im Jahr 2016 erfolgreich finanziert. In den Jahren zuvor waren es bis zu 66 unterschiedliche Start-ups, die sich auf diese Art mit Kapital versorgten. Ungebrochen boomt dagegen die Schwarmfinanzierung bei Immobilienprojekten: Alleine im vierten Quartal 2016 wurde ein Volumen von 19 Millionen Euro finanziert – das entsprach annähernd der Gesamtsumme der ersten drei Quartale.