Das Start-up Deinbus.de hat 2009 dafür gesorgt, dass der Markt wenige Jahre später liberalisiert wurde. Doch profitiert hat der Pionier der Branche davon nicht. Groß geworden sind andere. Warum eigentlich?

Von Christian Schlesiger

Die Idee war einfach genial. 2009 gründeten die drei Studenten Alexander Kuhr, Christian Janisch und Ingo Mayr-Knoch eine Art Mitfahrzentrale für Fernbusse. Über ihre Webseite stellten Kunden eine gewünschte Fahrt ein und wenn sich genügend Mitstreiter für die Strecke fanden, organisierte Deinbus.de – damals noch unter dem Namen Yourbus – einen Fernbus samt Fahrer. Die Tour galt als „Gelegenheitsfahrt“. Deinbus.de hebelte damit das Personenbeförderungsgesetz aus, das bis dato den Linienbetrieb von Fernbussen durch Deutschland verbot. Die Deutsche Bahn klagte dagegen, aber erfolgslos.

DeinBus.de gilt somit zu Recht als Pionier einer Branche, die bis heute wie keine andere für preiswerte Mobilität durch Deutschland steht. Denn durch den ausgelösten Zoff mit der Deutschen Bahn kam Bewegung in die Politik: 2013 liberalisierte die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung das Fernbus-Geschäft komplett. Heute profitieren jedes Jahr Millionen Passagiere davon, dass sie preiswert mit dem Fernbus reisen können. Das haben sie vor allem Deinbus.de zu verdanken. Doch ausgerechnet die Studentengruppe aus Offenbach fährt heute dem Markt weit hinterher.

Der Fernbus-Markt hat sich nämlich schneller konsolidiert als Experten vorhergesagt hatten. Und es leuchtet derzeit vor allem eine Marke: Flixbus. Nach dreieinhalb Jahren verfügt das Unternehmen aus München über einen Marktanteil von 80 Prozent, gefolgt von den Buslinien der Deutschen Bahn mit 14 Prozent. Den Rest teilen sich andere Anbieter. Vorreiter Deinbus.de liegt laut dem Marktforschungsunternehmen Iges gerade einmal bei rund zwei Prozent.

First Mover haben nicht unbedingt die Nase vorn

Wie konnte das passieren? Deinbus.de war als erster im Markt und hatte eigentlich die besten Voraussetzungen für dauerhaften Erfolg. Doch wie so oft in der Wirtschaft ist der „First Mover“ nicht unbedingt derjenige, der am Ende die Nase vorne hat. Mitunter gilt sogar der Satz: Die Ersten werden die Letzten sein. Deinbus.de kämpfte zwischenzeitlich sogar mit einer Insolvenz. Heute agiert das Unternehmen als Nischenanbieter. Die Gründe dafür: Flixbus setzte von Anfang an auf die bessere Strategie, ein höheres Risiko und die stärkeren Partner.

So strebte das 2013 gestartete Unternehmen Flixbus von Anfang an ein bundesweites Netz an. Flixbus begann klein wie alle, zunächst mit vier Linien in Süddeutschland. Doch die Gründer Jochen Engert, André Schwämmlein und Daniel Krauss hatten ganz Deutschland im Blick. Eine ähnliche Strategie verfolgte nur noch das Berliner Pendant Meinfernbus. Anders Deinbus.de: Die Offenbacher konzentrierten sich zunächst auf Süddeutschland, wollten anfangs nicht zu schnell wachsen, um ein stabiles Netz und eine regionale Marke aufzubauen. Auch die Deutsche Bahn blieb vergleichsweise lethargisch. Heute weiß man: ein Fehler.

Flixbus startete dagegen von Anfang an mit deutlich mehr Elan, mehr Selbstbewusstsein und Professionalität. Die Vision ging sogar über ein Deutschlandweites Netz hinaus, Ziel war ein europäischer Busriese. Die drei Flixbus-Gründer hatten dafür teils gut bezahlte Beraterjobs gekündigt. Sie gingen den Start dann auch ganz strategische und holten sich namhafte Unternehmer an Bord, die die Gründungs- und Wachstumsphase in wesentlichen Teil mitfinanzierten und wertvolle Erfahrungen einbrachten. So gehörten zu den Investoren schon früh der damalige hotel.de-Gründer Heinz Raufer und Venture Capital-Firmen wie Holtzbrinck Ventures an.

Die Strategie von Deinbus.de wirkte dagegen defensiv. Selbst Deinbus.de-Gründer Janisch sagt rückblickend im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Orange Handelsblatt“: „Zu Beginn sind wir als Studentenbude angetreten, hatten tolle Ziele und sind bis heute Idealisten.“