Als das Berliner Startup Amen 2011 an den Start ging, war es in aller Munde – danach wurde es still um das Berliner Unternehmen. Gründer Felix Petersen verrät im Interview, wo das Startup aktuell steht, wie es mit seiner neuen App Thanks zur Best-Of-Suchmaschine im Netz werden und wie es mit Werbung Geld verdienen will

Gründerraum: Zurzeit gibt es im Wochentakt Begegnungen von Gründern und hochrangigen Politikern, bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschafsminister Philipp Rösler vor zwei Wochen waren Sie auch dabei. Was erwarten Sie davon?
Petersen: Die Anerkennung ist für die Gründerszene eine gute Sache. Aber Merkel und Rösler hilft es vermutlich mehr als uns: Welcher Politiker würde sich sich in einem Wahljahr nicht mit jungen erfolgreichen Leuten umgeben, die nicht meckern und Arbeitsplätze schaffen.

Sollte die Gründerszene denn mehr meckern?
Petersen: Nein. Wer ein Internet-Startup aufbaut, hat in der Regel eher wenig Berührungspunkte mit der Politik und ist für den Erfolg oder Misserfolg selbst verantwortlich. Deswegen haben solche Treffen mit Politikern auch keine konkreten Auswirkungen auf das, was bei Amen zu tun ist und was wir damit erreichen.

Felix Petersen, Gründer von Amen. Foto: Joi Ito, via Flickr (CC-Lizenz, http://www.flickr.com/photos/joi/2939140045/)

Felix Petersen, Gründer von Amen.

Amen ist 2011 mit viel Lärm gestartet, konnte mit Ashton Kutcher einen Promi-Investor an Land ziehen – danach wurde es still um Amen. Wo steht das Unternehmen zurzeit?
Petersen: Anfangs haben wir uns darauf konzentriert, ein Produkt zu schaffen, das Spaß macht und hohe Aktivität erzeugt, also die Leute nicht mehr los lässt. Das hat funktioniert: Unsere Nutzer haben Millionen von Amens abgegeben, in denen sie alles mögliche bewerten und in eine Rangfolge bringen – von der besten Pizzeria in München bis zum besten Sonntagsspaziergang in Berlin.

Wie geht es jetzt weiter mit Amen?
Petersen: Wir haben gerade unser zweites Produkt namens Thanks an den Start gebracht, das Amen ergänzt. Hinter Thanks verbirgt sich eine Suchmaschine, die Menschen hilft, mobil Entscheidungen zu treffen, wenn sie beispielsweise nicht sicher sind, wo sie essen gehen oder was die beste Aktivität in Berlin heute Abend ist. Thanks ist also eine Art Best-Of-Suchmaschine für alle Statements, die bisher bei Amen abgegeben wurden.

Deutschen Startups wird oft vorgeworfen, sie würden nicht groß und ambitioniert genug denken. Von Amen kann man das offenbar nicht behaupten…
Petersen: Wir kümmern uns auch um ein Problem, das bisher noch keiner gelöst hat: Im Browser suchen die Menschen eher nach Wissen und Fakten. Aber über ihr Smartphone suchen sie vor allem aktionsorientiert: Sie wollen wissen, wie sich an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Situation entscheiden sollen – etwa, wo ich auf der Kastanienallee das beste Sushi bekomme.

Bisher hat Amen keinen Cent eingespielt. Wie soll sich das ändern?
Petersen: Wir haben vielleicht noch nichts verdient, aber wir haben vier Millionen Listen aufgebaut, die uns dabei helfen werden, das Konzept zu monetarisieren. Ähnlich wie Google werden wir die Suchergebnisse um Werbung zu ergänzen und die Werbeplätze versteigern. Je beliebter eine Liste ist, umso teurer wird es sein, eine Anzeige darin zu schalten. Wie das geht zeigt uns Google, da brauchen wir das Rad nicht neu zu erfinden.

Ab wann kann man auf Thanks werben?
Petersen: Sobald wir mit Werbung anfangen, müssen wir stark skalieren und mindestens 30 Leute einstellen. Das ist jetzt noch zu früh. Im Moment sind wir noch sehr produktfixiert, solide finanziert und voll im Zeitplan.

Felix Petersen, vielen Dank für das Gespräch.


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