Wer unterstützt schon ein Unterwasserhockey-Team? Die Antwort: Alle. Fairplaid will die Förderung des deutschen Sports durch Crowdfunding revolutionieren.

Ob Neid das richtige Wort ist? Marthe-Victoria Lorenz überlegt kurz. Dann sagt sie: „Nein, Neid ist es nicht. Aber man ärgert sich schon ein bisschen, wenn ein Fußballclub mal wieder Millionen für einen neuen Spieler ausgibt, während man selbst nur ein paar hundert Euro für neue Trikots bräuchte – und das Geld nicht bekommt.“

Lorenz hat diese Ungleichheit häufig erlebt. Als Abteilungsleiterin der Basketball-Abteilung und Trainerin der Frauen-Nachwuchsmannschaften des MTV Stuttgart erntete sie mehr als einmal Absagen, wenn sie auf der Suche nach neuen Sponsoren war. Und das lag nicht nur daran, dass sie sich mit Nachwuchs-Frauen-Basketball tatsächlich in der sportlichen Nische befand. „Ich habe durch mein sportliches Umfeld mitbekommen, wie schwierig es generell ist, Unterstützer für den Breitensport zu gewinnen“, erinnert sich Lorenz, die damals auch im Eishockey engagiert war.

3000 Euro für die Damen-Unterwasserhockey-Nationalmannschaft

Doch statt frustriert aufzustecken und ihre Mannschaft noch eine weitere Saison in den alten Jerseys spielen zu lassen, entschied sich Lorenz dafür, aktiv zu werden, und gründete Mitte 2013 die Sponsoring-Plattform Fairplaid. Den Anstoß dafür gab ein Artikel im US-amerikanischen „Time Magazine“. Darin ging es um Crowdfunding – also um die Finanzierung von Projekten durch viele kleine Einzelspenden gegen Belohnung. Besonders in der Start-up-Branche schon damals ein erprobtes Mittel, im Sport aber zu Lorenz‘ Überraschung noch ungenutzt.

Die Idee schlug ein. Seit der Gründung hat Fairplaid mithilfe von mehr als 4550 Unterstützern knapp 315.000 Euro eingesammelt und somit 95 Sportprojekte finanziert. Darunter meist Projekte aus dem deutschen Vereinsalltag wie eine Zeitmessanlage für einen Leichtathletikverein, Trikots für einen Berliner Basketballklub oder Turngeräte für eine Kindersportabteilung, aber auch sportliche Kuriositäten. So sammelte die Damen-Unterwasserhockey-Nationalteams mehr als 3000 Euro ein, um zur Weltmeisterschaft nach Ungarn zu fliegen und im internationalen Wettkampf genau das zu machen, wonach es klingt: Hockey unter Wasser zu spielen. Auch die deutsche Quidditch-Nationalmannschaft (ja – der Zauberer- und Hexensport aus den Harry-Potter-Romanen) konnte die nötigen 800 Euro gewinnen, die die Mannschaft brauchte, um im Juli bei der Europameisterschaft in Italien antreten zu können.